Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
Date
1921-01-01
Page
Seite 81 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111114-3117854--6325-3117962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

eine Rückkehr von der Stadt auf das Land, von geistiger zu körperlicher Arbeit in sich schließt. An die Verjüngungssähigkeit der jüdischen Gemeinschaft wird damit die höchste Anforderung gestellt. Als eine Massenerscheinung ist eine solche Umschichtung bisher noch nirgends vorgekommen. Sie kann auch in Palästina nur gelingen, wenn in den jüdischen Massen, die für die Einwanderung in Frage kommen, die Kraft der Idee groß genug ist, nicht nur um die zunächst unzulänglichen Fähigkeiten zu ungewohnter Arbeit zu ersetzen, sondern vor allem auch um die Macht alter sozialer Gewöhnung zu überwinden. Die sozialen Gewöhnungen, die einer solchen Umschichtung im Wege.stehen, sind mit einem der tiefsten Züge jüdischen Wesens eng verbunden: mit der Geistigkeit, die das Sein wie das Streben des Juden beherrscht. Es ist jedem bekannt, was Bildung und Wissen für den Juden bedeuten und wie von dieser Wertung per Bildung auch die Schätzung der Berufs- und Arbeitsarten abhängt. Eine Berussumschichtung, die von den jüdischen Massen den Verzicht auf dieses Bildungsstreben forderte, wäre von vornherein aussichtslos. Die Rückführung zu körperlicher, insbesondere ländlicher Arbeit ist nur durchführbar, wenn sie keinen Ausschluß von dem höheren geistigen Leben der Gemeinschaft nach sich zieht. Auch für das jüdische Gemeinwesen in'Palästina erhebt sich so das große Bildungsproblem aller gegenwärtigen europäischen Gesellschaft: die Aufgabe, körperliche Arbeit und Anteil am Bildungsleben des Volksganzen zu verbinden. Die alte religiöse Bildungswelt des Judentums hatte die gleiche Frage in ihrer Weise gelöst. , Der Anteil an der religiösen Bildung war von der Berufstätigkeit und sozialen Stellung des einzelnen in weitem Umfang unabhängig. Dieses Bildungsideal der jüdischen Ueberlieferung verlangt seine Anpassung an die veränderten Verhältnisse einer modernen Volks- und Kulturgemeinschaft. Wie viel schwieriger seine Durchführung unter diesen Verhältnissen ist, liegt auf der Hand. Das alte Ideal des in irgend einem praktischen Beruf stehenden Gelehrten wird sich inmitten moderner Wirtschaft und Jahriuch 1921. 6 .yV/vt f * 'Yr Afc/i C X1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.