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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 83

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
Date
1921-01-01
Page
Seite 83 (sequence 21)
Language
German
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— 83 — Waffe des Schwachen angewiesen waren, trugen hierzu «benso bei wie das Kaufmannstum der Juden und, verwandte Tatsachen. Von innen her aber hat die Eigentümlichkeit des religiösen Bildungslebens ebenso stark in der gleichen Richtung gewirkt. Die Einseitigkeit, mit der die talmudische Dialektik alle höhere Bildung beherrschte, gab dem Geist eine frühreife Schärfe und reflektierende Unruhe, die seine Unmittelbarkeit und Ursprünglichkeit stark beeinträchtigten. In eigentümlicher Zwiespältigkeit hat die moderne Entwicklung in diesen geschichtlich gegebenen Tatbestand Eingegriffen. Auf der einen Seite ist sie eine neue Steigerung dieser Richtung, indem sie den Nationalismus modernen Denkens und moderner Gesellschaft auch in das jüdische Leben hineinträgt. Auch die bisher gläubig hingenommenen Grundlagen der religiösen Überzeugung werden der Kritik des Verstandes ausgesetzt, und der durch Glaube und Sitte geweihte Patriarchalismus jüdischer Lebensführung verfällt der Auflösung und Zersetzung. Auch der feste Kern der Persönlichkeit, der bis dahin von der Wirkung des Verstandes unberührt geblieben war, wird nunmehr mit in seine Bewegung hineingezogen. Dennoch gibt der Eintritt in die moderne Bildungswelt dem jüdischen Geist eine Richtung zu einfacherer Natürlichkeit. Inder intellektuellen Sphäre tritt an die Stelle der dialektischen Schulung eine Bildung, die alle Kräfte des Geistes gleichmäßiger zu umfassen sucht und das Denken in einfachere und natürlichere Bahnen leitet. In der Lebensgestältung aber weicht die strenge Konzentration auf den Ernst der sittlichen und religiösen Aufgabe einer harmloseren Hingabe an den Augenblick; Spiel, Geselligkeit, Natur- und Kunstgenuß nehmen einen breiteren Platz im Leben ein. Dem östlichen Juden gegenüber, der noch aus den alten Bildungschoraussetzungen herstammt, ist der des Westens zugleich kritischer und naiver. Kritischer in der LockerMff aller traditionellen Bindungen, naiver in der schlichteren Einfachheit des Denkens und dem unbefangeneren Gewährenlassen des Gefühls und seiner Impulse. 6»

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