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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 76

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
Date
1921-01-01
Page
Seite 76 (sequence 14)
Language
German
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— 76 — vermag indessen ihr geistiges Wesen auch dann zu behaupten, wenn sie den Inhalt ihrer Bildung von außen her übernehmen muß. Es ist ein anderes, ob eine fremde Kultur von einem jungen, jedem Einfluß widerstandslos preisgegebenen Volke oder von einer Gemeinschaft von fest und tief geprägter geistiger Art übernommen wird. Die Eigenart einer solchen jüdischen Geistigkeit offenbart sich unverkennbar in allem, was jüdische Denker und Künstler innerhalb der verschiedenen europäischen Kulturen 'geschaffen Haben. Es ist im Einzelnen oft chwer zu sagen, worin die jüdische Eigentümlichkeit einer olcherr Schöpfung besteht. Sie wird sich vielfach nur n der Tönung eines solchen Werkes ahnen lassen; ganz fehlen wird sie kaum irgendwo. Innerhalb der modernen Kulturgemeinschaft verrät sich diese Eigenart indessen nur in der psychologischen Färbung jüdischer Schöpfungen, ohne eine eigene Welt des Geistes aus sich hervorgehen zu lassen. Ihrem geistigen Gehalte nach gehören die Schöpfungen deutscher Juden durchaus dem deutschen Kulturzusammenhange an und sind von denselben ideellen Werten erfüllt, auf denen die Eigenart deutscher Kultur beruht. Ihre jüdische Eigenart klingt nur wie ein besonderer Ton in der auch sonst so vielstimmigen Einheit des deutschen Geisteslebens mit. . In einem eigenen jüdischen Lebenszusammenhange dagegen wird die besondere Richtung jüdischen Geistes zum formenden und schöpferischen Prinzip einer eigenen geistigen Welt werden können, in der auch alles übernommene Gut aufhört, ein fremdes und unverarbeitetes Lehngut zu sein, und von den gestaltenden Mächten dieser Welt durchdrungen wird. Wir werden damit von einer neuen Seite auf dieselbe Frage hingewiesen, die uns schon beschäftigt hat, als wir von der Religion als der zentralen Kraft sprachen, die alle Bereiche des Geistes mit ihren Antrieben erfüllt. Denn die geschichtliche Eigenart des jüdischen Wesens ist in ihren entscheidenden Zügen eine unzweifelhafte Wirkung der Religion. Für die rein intellektuelle Seite dieser Eigenart, die Schärfe und Ge-

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