Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 13)
- Language
- German
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■ — 75 — nachexilische Judentum in Palästina kennzeichnet. In den Verhältnissen der Diaspora mußte sich diese Entwicklung noch schärser zuspitzen. Gewiß reicht dieses religös bestimmte Geistesleben weit über die im engeren Sinne religiöse Welt hinaus, aber doch nur soweit, als es für seine spezifischen Zwecke und Aufgaben erforderlich ist. Ausgeschlossen bleiben vor allein die Leiden großen Reiche des freien, nicht praktischen Zielen dienenden Geistes: die als Selbstzweck betriebene Wissenschaft und die als eigener Wert anerkannte Kunst. In der spanischarabischen Periode der jüdischen Geschichte weitet sich freilich der Umfang der jüdischen Bildungswelt nach allen Seiten hin aus- Unter dem Einfluß der arabischen Kultur erblüht eine jüdische Dichtung von tiefer Innigkeit des Gefühls und edler Reinheit der Form, und der ganze Umfang mittelalterlicher Wissenschaft findet innerhalb des Judentums hingebende und ergebnisreiche Pflege. Allein diese Wissenschaft wird doch vom ersten Anfänge an, soweit sie nicht unmittelbar praktischen Zwecken dient, wesentlich als Mittel für religiöse Ziele ergriffen und in den späteren Stadien dieser Entwicklung engt sich das Interesse immer mehr auf die der Religion unmittelbar naheliegenden Gebiete ein. Seit dem Ende des Mittelalters vollends hat diese Entwicklung kaum noch eine produktive Fortsetzung gezeitigt. Die großen Bewegungen, die das geistige Leben Europas in den' ersten Jahrhunderten der Neuzeit erfüllen, haben das Judentum nur ganz obenhin gestreift. Diese religiöse Bildungstradition'umschließt sicherlich mancherlei Elemente, an die eine moderne jüdische Kulturentwicklung anknüpfen kann. Allein unter dem Gesichtspunkte des Bildungs st o f f e s tritt doch die jüdische Kulturtradition unendlich hinter den von außen zu entnehmenden Kulturelementen zurück. Nicht der Bildungsstoff einer künftigen jüdischen Kultur also kann ihren Zusammenhang mit der geistigen Vergangenheit des Judentums begründen und ihre jüdische Prägung sichern. Eine Gemeinschaft, die durch eine lange Geistesgeschichte eine eigene Form des Geistes in sich herausgebildet hat.