Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 12)
- Language
- German
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zugewinnen: die Durchdringung der in ihrer Entwicklung völlig selbständigen geistigen und sittlichen Kultur mit religiösem Geist. Als Quell einer einheitlichen Lebensgesinnung vermag die Religion den Geist aller Kultur zu bestimmen, ohne sie in irgend eine äußere Abhängigkeit von sich zu bringen. Um solche Erneuerung aller Lebensgebiete aus dem Zentrum einer religiösen Lebensgesinnung heraus bewegt sich das tiefste Ringen unserer Gegenwart. An dieser Bewegung hat bereits jetzt das Judentum seinen Anteil. Erst inmitten einer jüdischen Kultur aber kann die jüdische Religion ihre lebenbestimmende Kraft nach allen Seiten hin ausprägen. Auf dem geweihten Boden Palästinas ein neues jüdisches Leben mit ihrem Geist zu erfüllen, ist die große Aufgabe, die sich jetzt der Religion des Judentums eröffnet. III. Trotz seines hohen Alters und seiner großen geistigen Geschichte wird das Judentum durch den Wiederaufbau Palästinas vor die Aufgabe gestellt, eine nationale Kultur ganz von Neuem zu schaffen. Es kann sein geistiges Leben nicht aus den Bildungselementen seiner Tradition heraus entwickeln, sondern muß in allem, was außerhalb der religiösen Sphäre liegt, die Gehalte seiner Bildung zunächst von außen entnehmen. Wie die jungen Völker, die im letzten Jahrhundert mit einem Schlage dükch die Übernahme der Resultate europäischer Bildung sich in die Reihe der modernen Kulturvölker zu stellen suchten, muß auch die alte Kulturgemeinschaft der Juden ihr neues geistiges Leben mit einer solchen Rezeption fremden Kulturguts beginnen und nach fremden Vorbildern gestalten. Die Gründe dieser befremdenden Tatsache sind leicht zu finden. Die überlieferte jüdische Bildung gehört ausschließlich der religiösen Sphäre an. Seit die jüdische Gemeinschaft den Charakter der Religionsgemeinde angenommen hat. hat sie all ihre Kraft an die Pflege ihres religiösen Besitztums gesetzt. . Wir sahen bereits, daß diese Konzentration auf das religöse Gebiet auch das