Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 11)
- Language
- German
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Wicklung verbinden. An das gegenwärtige Judentum treten die religiösen Probleme, welche die Zeit bewegen, in der Gestalt heran, die sie innerhalb der verschiedenen Formen der christlicher; Religiosität angenommen haben. Sie so zu begreifen, wie sie sich von jüdischen Voraussetzungen aus darstellen, die religiösen Einflüsse der Zeit junerlich zu verarbeiten, sie nicht nur verstandesmäßig mit den überlieferten Lehren des Judentums in Einklang zu bringen, sondern aus der Junerlichkeit des jüdischen Bewußtseins heraus zu bewältigen, ist eine Aufgabe von unermeßlicher Schwierigkeit. An den entscheidenden Wendepunkten seiner Entwicklung hat das Judentum des letzten Jahrhunders wohl die religiösen Führer gefunden, die dieser Schwierigkeiten Herr zu werden vermochten. Aber bei aller Größe ihrer Leistung vermissen wir doch die Stetigkeit einer von den eigenen Triebkräften jüdischer Religiosität beherrschten Entwicklung. In der Geschlossen-' heit eines jüdischen Lebenszusammenhanges kann die Religion diese Stetigkeit der Entwicklung gewinnen, die ihr die Kraft gibt, alle religiösen Fragen, die sich aus der Lage des modernen Geistes und der modernen Gesellschaft ergeben, in ihrem eigenen Sinne zu stellen und zu bewältigen. Eine solche Belebung der religiösen Energie muß allen Richtungen des Judentums gleichmäßig zugute kommendste alle können ihre letzte Wahrheit freier, ursprünglicher und lebensvoller ergreifen. Wenn die Religion derart an innerer Kraft gewinnt, wird ihr auch die Auflösung der überlieferten Gemeinschaftsform ihren Einfluß auf das Ganze des jüdischen Lebens nicht, zu nehmen vermögen. Auch ohne daß die Form alles jüdischen Gemeinschaftslebens die religiöse ist, kann eine lebenskräftige Religiosität der Mittelpunkt aller jüdischen Entwicklung sein. Es ist nicht anzunehmen, daß wieder alle Gebiete des Geistes Bestandteile der religiösen Sphäre werden könnten. Die Selbständigkeit der Kulturgebiete, die für die Entwicklung aller modernen Kultur kennzeichnend ist, wird auch das Gesetz der jüdischen Kultur Palästinas sein. Es gibt für die Religion heute nur einen Weg ihre lebensbestimmende Macht zurück-