Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 8)
- Language
- German
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in eine jüdische Sphäre religiösen und eine außerjüdische allgemein kulturellen Inhalts. Daß daneben auch die persönlichen Lebensbeziehungen des einzelnen Juden überwiegend innerhalb des jüdischen Lebenskreises verbleiben, darf hier außer Betracht gelassen werden. Wo sich aber in den letzten Dezennien das Verlangen nach einer geschlossenen jüdischen Lebenseinheit regt, muß es notwendig diese Einheit jenseits der religiösen Sphäre suchen und darauf abzielen, emen jüdischen Kulturzusammenhang nach der Art der modernen Nationalkulturen aufzubauen. Das ist in Westeuropa und in der Hauptsache auch im Osten lediglich Streben und Ideal geblieben, aber als Ideal ist es mit eindeutiger Bestimmtheit auf eine von der Religion unabhängige Form jüdischen Lebens' gerichtet. Damit hört die religiöse Ueberzeugung auf, die unerläßliche Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft zu sein. In einer Zeit des religiösen Individualismus, in der die religiöse Ueberzeugung nicht mehr wie in Zeiten festerer traditioneller Bindung durch, die Herkunft aus einer Glaubensgemeinschaft gesichert ist, kann das Judentum als religiöse nicht zugleich in dem Sinne Stammesgemeinschaft sein, daß es alle Stammesangehörigen vereint. Auch aus diesen Schwierigkeiten befreit eine Auffassung des Judentums, die eine von der religiösen Grundlage unabhängige jüdische Lebenseinheit fordert. Dem alten jüdischen Gedanken des Glaubensvolkes setzt sich so das moderne Ideal der Nation entgegen, das vollkommene Gegenbild zu der neuen, rein religiösen Form des Judentums. Aus der alten, religiös bestimmten Lebensgemeinschaft war hier die „reine" Religionsgemeinde, dort die als Idee erstrebte Einheit der „weltlichen" Nation geworden. In dieser vollkommen neuen Situation geht das Judentum an den Aufbau Palästinas heran. Es ist ohne Weiteres klar, von wie entscheidender Bedeutung sie für die Gestaltung des Wiederaufbaus sein muß. -Nicht nur, daß jenes neue Ideal eines weltlichen Judentums auch einen neuen Zionsgedanken erzeugt hat, der