Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
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— 68 — des zweiten jüdischen Staates die Zionshoffnung im Mittelpunkt des religiösen Lebens. Die Agada übernimmt das Erbe der prophetischen Verheißung, Gebet und religiöse Dichtung das der Psalmen. Die religiöse Beseelung des Zionsgedankens gibt ihm die unvergleichliche Kraft, die ihn durch die Jahrtausende lebendig erhält. Der volkshafte Charakter der religiösen Gemeinde, der so in ihrem Selbstbewußtsein tief begründet ist, erhält sich aber auch in der Tatsächlichkeit des geschichtlichen. Lebens. Das ganze innere Leben des Juden wird von der Gemeinde umschlossen, mit all seinen seelischen und geistigen Kräften gehört er ungeteilt der jüdischen Gemeinschaft an. Die religiöse Bildungswelt, die schon in Palästina den ausschließlichen Inhalt des jüdischen Geistes gebildet hatte, reicht aus, um auch in der Diaspora dem Judentum ein eigenes ) geistiges Leben zu geben. Auch die von außen eindringenden Bildungselemente werden von ihr assimiliert und! dem Zusammenhang der religiös bestimmten geistigen Arbeit eingegliedert. Nicht minder schließt die Gemeinde durch ihr eigenes Recht, das als Bestandteil des religiösen Gesetzes auch weiter in Kraft bleibt, ihre Angehörigen auch in sozialer Beziehung zu einer selbständigen Einheit■, zusammen. Über die ganze Diaspora hin erstreckt sich eine jüdische Kultur- und Lebensgemeinschaft, innerhalb deren dgs ganze innere Leben des Juden abläuft. Ihre fast nationale Geschlossenheit beruht doch durchaus auf religiöse^ Grunde. Die Einheit des jüdischen Lebens beruht auf der religiösen Bestimmtheit aller Lebensgebiete. Durch Spn Aufbau einer nichts Fremdes neben sich duldenden religiösen Einheitskultur übernimmt die Glaubensgemeinde zugleich die Funktionen einer nationalen Gemeinschaft. Wir haben gesehen, wie, bei der Rückkehr aus Her babylonischen Gefangenschaft, diese in ihren Grundzügtzn bereits damals ausgebildete Form des jüdischen Leberss nach Palästina verpflanzt wurde. Die vollkommene Andersartigkeit der Bedingungen, unter denen sich jetzt der Aufbau Palästinas zu vollziehen hat, beruht darauf daß diese Form des jüdischen Lebens in Mittelunjd