Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 5)
- Language
- German
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— 67 — mnd von diesem Gesichtspunkt aus werden auch die alten Nationalen Geschichtsquellen umgeformt und bearbeitet. Die Geschichte des Volkes wird von der der religiösen Gemeinde gleichsam aufgesogen. So ist der Gemeinschaftscharakter des Judentums innerhalb und außerhalb Palästinas grundsätzlich der gleiche. Das Diaspora-Judentum, das neben dem palästinensischen ohne Unterbrechung fortbestand, ist seinem Wesem nach — bei allen Differenzen der Entwicklung im einzelnen — von diesem nicht verschieden. Nach dem abermaligen Zusammenbruch des jüdischen Staates in Palästina bedurfte es darum keiner grundsätzlichen Neugestaltung des jüdischen Gemeinschaftsausbaus mehr. Auf den im babylonischen Exil gelegten Grundlagen konnte das Judentum auch ohne staatlichen Mittelpunkt weiterleben. Die Formen, in denen sich die jüdische Gesamtheit zusämmenfaßt sind dem Wesen nach durch zweieinhalb Jahrtausende die gleichen geblieben. Die Wirkung der gleichen Gemeinschastsform aber geht innerhalb und außerhalb Palästinas nach ganz verschiedener Richtung. In Palästina offenbart sie sich darin, daß alle Kräfte eines in sich geschlossenen Volkslebens den Zwecken der Religion dienstbar gemacht werden. Ein natürlich erwachsendes Volkstum geht ganz in die Form der Religionsgemeinde ein. In der Diaspora dagegen offenbart sich die Eigenart dieser Gemeinschaftsform gerade darin, daß sie in religiöser Form die alte Volkseinheit fortsetzt. Als solche Fortsetzung des alten Volkstums lebt und fühlt sich die Religionsgemeinde wiederum feit ihren Anfängen im babylonischen Exil. Das zum Gottesvolk gewordene Israel ist nicht nur tatsächlich, sondern auch seinem Bewußtsein nach mit dem alten israelitischen Volkstume identisch geblieben. Als heilige Geschichte lebt die Vergangenheit des Volkes im religiösen Bewußtsein fort, und die religiöse Zukunftshoffnung nimmt die Sehnsucht des Volkes in sich auf. Wie in der babylonischen Gemeinde die Zionsliebe in der Verkündigung der Propheten und der Dichtung der Psalmisten ihre religiöse Weihe findet, so bleibt auch nach der Zerstörung 5*