Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 3)
- Language
- German
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den künftigen Mittelpunkt eines neuen, kraftvolleren jüdischen Lebens, von dem eine erneuernde und belebende Wirkung auf das Judentum aller Länder ausgehen wird. In einem Judentum von ungebrochener Einheit, ohne die Spannungen und Reibungen des Diasporalebens, kann sich dort der jüdische Geist nach den Gesetzen seines eigenen Wesens entfalten und in neuen Schöpfungen offenbaren, um die sich auch die jüdische Diaspora sammeln kann. Ein solches, im echten Sinne schöpferisches jüdisches Leben kann für das Judentuin der ganzen Welt eine Kraftquelle werden, die den auflösenden und zersetzenden Einflüssen des Diasporalebens entgegenwirkt und ihm den Glauben an sich selbst und seine Zukunft zurückgibt. Wenn irgendeine Wandlung, in den Geschicken einer Gemeinschaft, so ruft die' Schicksalswende, an der jetzt das Judentum steht zu geschichtlicher Betrachtung aus, denn sie ist zugleich Wiederbelebung ältester Vergangenheit und vollkommene Neugestaltung. Die jüdische Gemeinschaft rüstet sich zur Rückkehr in das Land ihres Ursprungs, aber sie naht ihm in ganz anderer Verfassung, als sie es einst verlassen hat. Eine schicksalsvolle Geschichte von zwei Jahrtausenden hat ihre Spuren tief m das Wesen des Judentums eingegraben, und eine vollkommen neue geschichtliche Welt zeichnet die Bedingungen vor, unter deneq sich diese Heimkehr vollziehen muß. Jedes tiefere Verständnis der Wandlung, welche der Aufbau Palästinas für die Entwicklung des Judentums bedeutet, der Voraussetzungen, unter denen sich dieser Wiederaufbau vollzieht. der Möglichkeiten, die mit ihm gegeben sind, hängt davon ab, daß diese Wandlung nach ihren beiden Seiten hin, nach ihrem Zusammenhang mit der Vergangenheit des Judentums und ihrer Eigenart gegenüber allen bisherigen Formen jüdischen Lebens begriffen wird. Ein freilich nur auf das Allerwichtigste beschränkter Versuch einer derartigen Beleuchtung des gegenwärtigen Geschehens soll im Folgenden unternommen werden. ( 201 Jahrbuch 1921 5