Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 2)
- Language
- German
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— 64 — geschichtlicher Treue, als die rührende Innigkeit, mit der das jüdische Volk den Ziongedanken als Sehnsucht und als Hoffnung in seinem Herzen getragen hat. Allein durch die Kraft dieses Gefühls hat es sich den Weg zum Lande seiner Sehnsucht gebahnt. Wer menschliche Größe zu empfinden vermag, muß sich in Erfurcht vor diesem Siege der Seele über die Wirklichkeit neigen. Das Judentum aller Richtungen ist eins in dem Willen, seine ganze Kraft daran zu setzen, daß die Verheißung eines jüdischen Palästina zur Wirklichkeit wird. War das Gefühl für das Land der Väter einem großen Teil der mittel- und westeuropäischen Juden im Verblassen und war es nur ein kleiner Kreis in dem es sich in Willen umgesetzt hatte, so hat die Größe des geschichtlichen Augenblicks alle bezwungen, in denen jüdisches Empfinden lebendig ist. Unter dem Eindruck des einzigartigen geschichtlichen Erlebnisses, das unserer Generation beschicken ist, ist der Palästinagedanke wieder zum gemeinsamen Besitztum der jüdischen Gesamtheit geworden. Das bedeutet nicht, daß die Gegensätze zu bestehen aufgehört hätten, von denen das jüdische Leben bis dahin erfüllt war, diese Gegensätze beherrschen auch weiterhin die jüdische Entwicklung und offenbaren sich in der Verschiedenheit des Inhaltes, den der Palästinagedanke bei den verschiedenen Richtungen des Judentums annimmt. Die Palästinahoffnung des Zionismus ist nicht die gleiche wie die derjenigen Juden, die sich durch die Gemeinsamkeit der höchsten geistigen Güter dem sie umgebenden Volkstum innerlich verbunden fühlen und diese Gemeinsamkeit nicht durch den Gedanken einer nationalen Änderung beeinträchtigt wissen wollen. Allein über dem Gegensatz dieser Auffassungen und der Hoffnung, die auf den Aufbau Palästinas gesetzt werden, steht das geweinsame Bewußtsein, daß der Ausbau Palästinas zugleich eine Erneuerung des jüdischen Lebens überhaupt bedeutet. Auch für die Mehrheit der mittel- und westeuropäischen Juden, die den jüdisch-nationalen Bestrebungen sernstehen, ist Palästina mehr als ein Zufluchtsland für die geknechteten und heimatlosen Juden des Ostens. Auch sie sehen in ihm