Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 14)
- Language
- German
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ha-'elohim bei der Bezeichnung Gottes (1. Mos. 20, 6 usw.) aus der Zeit, wo mehr ’el und noch ganz wenig das Tetragramm in den . zusammengesetzten Eigennamen angewendet wurde, und das war in der Richterzeit der Fall, während dann seit Davids Zeit mehr Zusammen setzungen mit dem Tetragramm auftreten, wie dies alles aufs eingehendste in meinem Kommentar zum ersten Buch Mose (1919 bei Bertelsmann erschienen), S. 55—67 auseinandergesetzt ist. Da nun ferner gerade dieses älteste Hauptwerk über die früheste Geschichte Israels anerkanntermaßen indirekt (2. Mos. 15, 1 ff; 20, 2 ff. usw.) und direkt (4. Mos. 21, 14) alte Materialien zitiert hat, so ist der Unterbau für die Erzählungen über die Anfangszeiten Israels nachweisbar ein solider. Insbesondere ist aber auch das nächste Tadelsvotum, das gegen die Zuverlässigkeit der frühesten Perioden von Israels Geschichte ausgesprochen zu werden pflegt, daß jene angeblich im 9. und 8. Jahrhundert verfaßten Hauptwerke nur Zeugen ihrer eigenen Entstehungszeit seien, leicht als vollständig haltlos zu erweisen. Freilich Gunkel behaupet in seinem Genesiskommentar, S. LXXIX: „Die Religion Abrahams ist in Wirklichkeit die Religion der Sagenerzähler, die sie Abraham zuschreiben." Aber wie verhalten sich die Tatsachen zu dieser Behauptung? Die Besonderheit der Patriarchenreligion. wie sie in den besonderen Gottesnamen „der allmächtige Gott" (1. Mos. 17,1 usw.) und „das Furchtobjekt Isaaks" (31, 42,53) usw., ferner in der geringen Zahl der Bundesforderungen und in der Eigenart der Bundesverheißungen, in der Einfach, heit der Kulistätte, in der Abwesenheit von Priestern, in der Einfachheit der Opfer, in dem Mangel von Festzeiten usw. zutage tritt, hebt sich durchaus von den späteren Stufen der mosaisch-prophetischeu Religion ab. Also insbesondere das z. B. mit Gunkels Worten zitierteneuere Dogma, daß die erwähnten Hauptquellen nur Reflexe ihrer eigenen Zeit über die Religion Abrahams gäben, muß als ein Produkt der Willkür bezeichnet werden.