Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 12)
- Language
- German
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iSfjfiif; Q‘“>, , . . — 57 — die Vernachlässigung ihrer Familienerinnerungen zumutet? Diese Vernachlässigung bei den ältesten GeschlechternJsraels vorauszusetzen, hat man aus mehreren besonderen Gründen nicht das geringste Recht. Denn für die hier zu führende Untersuchung ist ja ferner dies von grundlegender Wichtigkeit:^ Israel besaß nach vielen Anzeichen ein lebendiges Interesse für die Pflege seiner Erinnerungen. Gewöhnlich allerdings wird die Frage, ob sich im alten Israel ein lebendiger Sinn für die Bewahrung seiner Erinnerungen zeige, von der modernen Forschung garnicht gestellt, weil diese leider ganz oder vorwiegend nach den Spuren des Textes zu suchen geneigt ist, die gegen Hessen Zuverlässigkeit sprechen können. Wenn aber diese Frage einmal gestellt ist, dann zeigen sich auch ganze Gruppen von Materialien zu einer bejahenden Antwort aus diese Frage. Denn e r st e n s zeigt Israel sich von jeher nicht wenig darauf bedacht, sich äußerliche Stützen seiner Erinnerung zu schaffen. Man denke doch z. B. daran, daß von Abraham erzählt wird, er habe eine Tamariske bei Berseba gepflanzt st.. Mos. 21, 33), und wenn dieser Baum auch vielleicht zunächst eine Kultstätte markieren sollte, so diente der langlebige Baum doch zugleich als Anhalt für die Erinnerung daran, daß der erste Patriarch an jenem Orte geweilt hatte. Ebendenselben Dienst leistete aber, um nicht die von Abraham gegrabenen Brunnen (2 t, 25 usw.) zu erwähnen, die zum Erbbegräbnis bei Hebron erworbene Höhle (23, 20; 25, 9 f. usw.) im höchsten Maße. Wer denkt nicht auch an den „Steinhaufen des Zeugnisses" (31, 47), die Einrichtung für die Vererbung der Passahtradition (2. Mos. 13, 11—16) usw.? Ebendieses Interesse für die Pflege der geschichtlichen Erinnerung tut sich aber zweitens darin kund, daß Israel nach vielen Spuren ein wachsames Auge für die Veränderungen im Geschichts verlaus* hatte und sie notierte. Denn dieses Volk beobachtete nicht nur die einander ablösenden Ereignisse in der äußerlichen Geschichte, wie sich z. B. in der Völkertafel (10,14) an der Bemerkung