Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 8)
- Language
- German
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— 53 — der modernen Würdigung der israelitischen Geschichtsbücher werden, und als einen solchen Ausgangspunkt will ich es sofort benützen, wenn ich zum zweiten Teile in der Ausführung des gestellten Themas übergehe. Denn vorderhand ist ja nur gezeigt, daß die Hebräer mit ihrer Geschichtsschreibung eine unter den alten Völkern hohe Stufe erreicht haben, und daß man ihnen diesen Ruhm auch nur in bezug auf einige Teile ihrer Geschichtsbücher zuzugestehen anfängt. Dies ist eine bloß relative Anerkennung der hebräischen Geschichtsschreibung. 2. Aber verdient die israelitische Geschichtsschreibung nicht noch eine höhere und allgemeinere Anerkennung? Um diese zweite Frage, die in dem gestellten Thema liegt, zu lösen, müssen wir den oben angegebenen zweiten Weg betreten, müssen die Geschichtsbücher Israels an den wahren Prinzipien der Geschichtsschreibung, an deren Ideal messen. Erst beim Beschreiten dieses zweiten Weges, der zum Hochplateau der Vollendung führenden Bergwanderung, werden wir Gelegenheit bekommen, die Bemängelungen scharf ins Auge zu fassen, die, wie oben im Eingänge dieses Artikels gezeigt worden ist,, vom größten Teile der neueren Geschichtsforscher gegenüber den israelitischen Geschichtsbüchern ausgesprochen werden, daß diese nämlich den in ihnen erzählten Ereignissen sehr weit nachhinken und aus ganz unzuverlässigem Material aufgebaut seien, und wie diese Tadelsworte weiter gelautet haben. Wir brauchen ihre ganze Summe nicht sofort wieder vorüberziehen zu lassen, weil sie jetzt gleich, und zwar in der oben eingehaltenen Reihenfolge unter den Brennspiegel der Kritik gerückt werden sollen. Der erste von den Mängeln aber, um deretwillen jetzt ein Hauptteil der israelitischen Geschichtsbücher einfach keinen Quellenwert zugestanden bekommt, wie ja z. B. aus den oben zitierten Worten Weinheimers zu ersehen war, soll darin liegen, daß die Geschichtsbücher über die älteste Zeit Israels unendlich spät und