Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 5)
- Language
- German
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die, nebenbei bemerkt, einen Zeitraum von 228 Jahren (von 893—666) betreffen. Etwas mehr Aehnlichkeit mit Geschichtsbüchern besitzen die Register, die jetzt allgemein „Verwaltungslisten" genannt werden. Sie fügen an den Namen der Eponymen noch ihr Amt, aber in der Regel nur einen Kriegszug oder eine andere merkwürdige Begebenheit, wie z. B. eine Seuche oder eine Sonnenfinsternis, wie die für Ninive fast totale am 16. Juni 763, oder einen Aufstand, oder eine außergewöhnliche religiöse Handlung, durch die das betreffende Jahr sich als merkwürdig erwiesen hatte. Aber jedermann erkennt doch, daß diese „Verwaltungslisten" nur eine sehr dürftige Aehnlichkeit mit Geschichtsbüchern haben. Dasselbe Urteil ist über die „synchronistische Tafel", die eine Uebersicht über die Beziehungen zwischen Babylonien und Assyrien gibt, zu fällen, und nicht viel anders steht es inbezug auf die großen Königsinschriften, die am besten in „Annalen, Kriegsgeschichten und Prunkinschriften" eingeteilt werden. In den „Analen" wird das in jedem Regierungsjahre eines Königs Geschehene in chronologischer Ordnung erzählt. Aber diese Art von Aufzeichnungen ist leider selten. Ferner in den „Kriegsgeschichten", wie z. B. dem Zylinder Sanheribs (705—681), der acht seiner „Kriegszüge" umfaßt, ist die Zählung der Heerfahrten sehr willkürlich. „Was der assyrische Tafelschreiber den ersten, oder vierten, oder achten Zug zu nennen geruht, ist nicht immer der sovielte Zug des in Rede stehenden Königs, sondern der sovielte von denjenigen, welche er in seinen Bericht aufzunehmen für gut fand: die Züge, welche er wegließ, zählte er einfach nicht mit" (C. P. Tiele, Babylonisch-assyrische Geschichte, S. 27 f.). Also dort am Euphrat und Tigris ist es höchstens bis zur Abfassung einer Art von Chroniken gekommen, wie man ein literarisches Produkt Babyloniens auch einfach „die babylonische Chronik" (herausgegeben von Frd. Delitzsch 1906) nennt. Zu ganz anderen Leistungen aus dem Gebiete der Geschichtsschreibung ist es bei den Griechen im fünften Jahrhundert v. Chr. gekommen. Bei ihnen