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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 49

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm
Date
1921-01-01
Page
Seite 49 (sequence 4)
Language
German
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49 — -I feit" ja erstaunlich war (Ad. Erman, Die Hieroglyphen 1917, S. 83), kann es kaum behauptet werden. Denn freilich sind uns ägyptische Erzählungen schon aus der Zeit des mittleren Reiches (seit ungefähr 2000 v. Ehr) erhalten worden, die manche Geschichte in gewähltester Sprache vortragen, wie z. B. die Geschichte des Hofbeamten Sinuhe, der aus Angst vor einem neuen Königen nach Palästina floh und dort als „Barbar" lebte, oder die Geschichte von dem Schiffer, der zur Schlangeninsel kam und von der alten Schlange so gut empfangen wurde, oder gar von dem Bauer, dem sein Esel gestohlen worden war, und der darüber so schön zu reden wußte, daß seine Beschwerde auf Befehl des Königs verschleppt werden mußte, damit er genötigt werde, recht viele von seinen schönen Klagereden vorzutragen. Aber wie kann man da von Geschichtsschreibung sprechen? Das erlauben auch nicht einmal die „historischen Inschriften", die in der Zeit des neuen Reiches (seit 1680 v. Chr.)"auftreten. „Einfache nüchterne Berichte, wie wir sie uns wünschen würden, sind nur selten; in der Regel werden die Einzelheiten selbst als bekannt vorausgesetzt, und es wird dafür der Ruhm des Königs um so begeisterter hervorgehoben" (Erman a. a. O., S. 88). Von diesen panegyrischen Darstellungen einer einzelnen Regierungszeit ist der lange „Papyrus Haris I.", der die kriegerischen Erfolge von Ramses III. (um 1200) barfteHt, einer der wichtigsten. Trotzdem nötigte der Mangel an Vorarbeiten den Priester ManAho (um 270) dazu, sogar volkstümliche Erzählungen zu benützen, um Material für sein erstes ägyptisches Geschichtswerk zu bekommen (W. Max Müller, Encyclopaedia Biblica, col. 1221). Sodann bei den Bab yloniern und A s s y r e r n ist es nur auf die folgende Weise zu Anfängen von Geschichtschreibunggekommen. Sie Habenfreilich eine sogenannte Eponymenliste begonnen und weiter fortgeführt, d. h. ein Verzeichnis von Großwürdenträgern des Reiches, die, wie die griechischen Archonten und römischen Konsuln, den aufeinanderfolgenden Jahren den Namen gaben. Diese Liste ist aber nur ein kahles Verzeichnis von Namen, Jahrbuch 1921

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