Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 3)
- Language
- German
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Wort über die vor Israels Aufenthalt in Aegypten liegende Geschichte, und der einzige Satz, der da dieses Verfahren erklären soll, lautet: „Ueber Israels Vorgeschichte ist Dunkel gebreitet" (S. 9). So lautet es jetzt im Namen der Wissenschaft gewöhnlich. Oder man schreibt: „Die biblische Geschichte ist eine harmonistische; die historischkritische sucht nur die Wahrheit" (Stade, Geschichte des Volkes Israel, Bd. I, S. 11). Noch eine andere landläufige Behauptung ist jetzt, daß die hebräischen Geschichtsschreiber „ihre Bilder aus Goldgrund gemalt" hätten. Ja, endlich wagt man zu verkünden, in der ältesten Geschichte der „Juden handle es sich um den Ursprung ihres Volkes und ihre Wohnsitze als den Anfang der Weltgeschichte" (Ad. Bauer sWienj, Vom Judentum zum Christentum 1916. S. 16). - Um die Gerechtigkeit solcher Urteile ermessen zu können, gilt es, zwei Wege zu betreten. Das eine Mal sind die Geschichtsbücher Israels mit den Geschichtsdarstellungen seiner zeitlichen und kulturellen Nachbarschaft zu vergleichen, und das andere Mal muß man die hebräischen Geschichtsbücher an den höchsten Prinzipien der Geschichtsschreibung. an ihrem Ideal messen. Suchen wir beide Wege möglichst rasch zu durchschreiten! 1. Die jene abfprechenden Urteile über die hebräischen Geschichtsbücher zu fällen wagen, sollen vor allem die Art der Geschichtsschreibung des Altertums überhaupt beurteilen lernen. Dann werden sie sehen, auf welche Stufe der Ausbildung die Historiographie bei den Hebräern gelangt ist. Blicken wir also, um für die richtige Würdigung der Geschichtsbücher Israels eine zuverlässige Grundlage zu gewinnen, in die Literaturen des Altertums hinein! Suchen wir die Geschichtswerke, die uns da begegnen, und suchen wir uns ein Urteil über den Rang zu bilden, der ihnen im Verhältnis zu den hebräischen Geschichtsbüchern zukommt! Nun, bei vielen Völkern des Altertums ist es gar nicht zur Herstellung von Geschichtsbüchern gekommen. Selbst von den Aegyptern, deren „Schreibfreudig-