Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5680/81
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 Die Teilnahme für die Opfer jener Diebes- und 'Mörderbanden, die ihre Raubgelüste mit Religions- oder Rassenideen schminken, der Schmerz um die Verfolgten in .Sowjetrußland, in der Ukraine, Ungarn, Tschechoslowakei kann uns freilich die Sorge um die jüdischen Interessen im eigenen Lande, im lieben deutschen Reiche, nicht vergessen lassen. Umsoweniger, als bei uns in Bayern geschäftige Agenten des Knüppel-Antisemitismus mit allem Eifer für die lohnendere Form der Ukrainischen Judenbekämpfung sich einsetzen. Nicht ganz ohne Erfolg, wie die Plünderungszüge in Memmingen zeigten. Aber zum Glück hat bei uns noch jede Anfeindung von außen eine Stärkung und Mobilisierung der inneren moralischen Kräfte zur Folge gehabt. Und die ist auch - diesmal erfreulich in die Erscheinung getreten. Am 23. Januar trat im Saale der „Las Brüh Loge“ tu der Kleiststraße zu Berlin der Deutsch-Israelitische Gemeindetag — zum ersten Male wieder seit 1913— zu einer denkwürdigen und folgenschweren Beratung zusammen. Nahezu 400 Delegierte von 669 Gemeinden waren ausallen Teilen desReichsherbeigeeilt und alle brachten den besten wie den festen Willen mit zur Verständigung, zur gemeinsamen fruchtbaren Betätigung in dieser Zeit gemeinsamer Not. Rechts und links der Geist der Friedensbereitschaft und der Einigkeit. Nach sorgsamer Beratung wurde mit allen gegen zwei Stimmen die Gründung einer Gesamtorganisation der de utschenJuden beschlossen. Dieser Zusammenschluß aller Gemeinden schafft das öffentlich rechtliche Organ, das, von der Gesamtheit anerkannt, den Willen der ganzen deutschen Judenheit vertritt. Träger dieser Gesamtorganisation ist der Gemeindebund. Sie wird sich in erster Reihe angelegen sein lassen: Hilfe für alle notleidenden Gemeinden, Erhaltung der Bildungsstätten und humanitären Anstalten, Flüchtlingsfürsorge, Rechtsvertretung. In feierlicher und gehobener Stimmung wurde der schicksalsreiche fünfzehnte Gemeindetag geschlossen, mit einer Huldigung für ben Vorsitzenden Prof. Kalischer, nach dessen Vorarbeit und unter dessen taktvoller Leitung die Gründung zustande