Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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166 -erhellten Räume. Doppelt freudig war es diesmal willkommen geheißen. Mit den kleinen Lämpchen der Menaure, die nach und nach, innerhalb einer Woche -entzündet wurden, feierlich begrüßt und begleitet. An jedem Abende wurde ein Flämmchen mehr dem Gedenken der Helden im Judentum, der tapferen Makkabäer, geweiht, bis sie alle acht in träumerischem Lichte erstrahlten und von den Lippen der Andächtigen, die diesem Festakt beiwohnten, das Lied erklang: „Noans" 2ur j’schuossi — Schirm und Schutz in Sturm und Graus usw." Der Rabbiner war gerührt, als er seine Hände segnend auf die Häupter seiner Kinder legte, die Mutter weinte und zog Judith an sich, ehe sie das bräutliche Mädchen dem sie zärtlich umschlingenden Bräutigam überließ. Gr war erst am Morgen von einer Reise in seine Heimat zurückgekehrt, wo er Eltern und Geschwister -aufgesucht hatte, bevor er sein Amt antrat. Am Sabbat des Chanukahfestes sollte seine feierliche Einführung und Antrittspredigt stattfinden. Welche Fülle drängender, wichtiger Ereignisse bewegten diese mir so unendlich teuren Menschen in dieser ZeitI Wichtig für ihr intimes, inniges Leben, in dem sie mir einen Platz einräumten, an den ich noch heute mit Stolz und Freude zurückdenke. Es tut meinem Herzen wohl, davon erzählen zu können. Der zukünftige Rabbiner der Kultusgemeinde zu V. war diesmal nur zu kurzem Aufenthalt im schwiegerelternlichen Hause anwesend. Schon nach drei Tagen, also am Mittwoch, wor seinem Amtseintritt sollte er in B. eintreffen. Aber Festtage im höchsten Sinne waren es, die dieser Familienkreis beging. Das Chanukafest hat an sich schon einen fröhlichen Inhalt. Erhebende, frohe Gefühle durchdringen die Juden, die ein Heldentum der Waffen und blutigen Kämpfe in ihrer Geschichte nicht wieder zu verzeichnen Haben, als diese gegen die Unterdrückung und Gewalttätigkeit des Antiochus Epiphanes, die sich hauptsächlich gegen die Religion und den Glauben der Juden richtete. In mutigem Kampfe errangen sie die Freiheit für ihre religiösen Anschauungen und das Festhalten am väterlichen Glauben. Das war ein Sieg, geheiligt durch den Geist,