Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111110-3117664--6062-3117845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 165 heute zurück denke an diese Tage, erscheint es mir, alsläge eine schöne, merkwürdige, versunkene Welt hinter mir, die ich durchwandert hatte, mit viel Freude und Harmlosigkeit. Und das Glück und die Jugend steigerten damals ihre Werte, und setzten ihre Ansprüche durch,, aller Weisheit und allen Synoden zum Trotz. Die religiösen Streitigkeiten rüttelten wohl am alten Bau, ohne ihn ernstlich zu erschüttern. Mein Freund aber rüstete für diese Synode ebenso eifervoll, wie seine Gattin für die Hochzeit liebevoll. Eines Abends fragte ich ihn, wie denn sein künftiger Schwiegersohn zu diesen verschiedenartigen Angelegenheiten sich stelle? Hochzeit und Synode! „Er ist unbedingt für die Hochzeit und nicht gegen die Synode. Im ersten Falle sind wir ganz einer Meinung, das Glück zweier Menschenkinder soll.sie erschließen, und er und ich und meine Frau und Kinder ersehnen diesen Tag und bitten um Gotres Segen. Was aber die Synodeanbetrifft, bin ich meines lieben Ketskemeter doch nicht ganz sicher, er gehört einer jüngeren Generation an, und wer weiß, ob wir uns in der Versammlung nicht gegensätzlich gegenüberstehen werden. " ... Ich sah ihn ganz erschrocken an, aber er 'lachte und sagte: „Seien sieunbesorgt treuer, lieber Freund, ich werde schon meinen Standpunk verteidigen, auch gegen Ketskemet und ganz Ungarn, wenn es sein muß, und mein Schwiegersohn wirdseiner Judith Vater, mit seinen Argumenten, wenn es dazu kommen sollte, nicht kränken. Je schärfer er beweisen wird, um so anregender. Das sind wir vom Pilpul sogewöhnt. Je mehr Leim Talmud-Studium debattiert wird, desto mehr vertieft man sich in einander, und schätzt sich um so höher ein." - Das Chanukafest stand vor der Tür. Unmerklich schnell war es herangekommen. Man hatte in der Vielfältigkeit der Interessen und Besorgungen, die die Familie vollauf in Anspruch nahm, garnicht wahrgenommen, wie es durch die immer kürzer gewordenen Tage und die herbstlichen Nebel allmählich sich näherte, und nun war es da, Pochte an die winterlich festgeschloffenen Pforten und begehrte Einlaß in die behaglich warmen, freundlich