Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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in dem die Makkabäer kämpften. Und gerade in dem Zeiten, die wir jetzt durchleben, ist es begreiflich, daß die Juden einem solchen Sieg ein frommesAndenken bewahren. Heiter, glücklich, hoffnungsselig flössen die kurzen Tage dahin. Man empfand nur Liebe, Zusammengehörigkeit- Freudigkeit, Güte. Das Haus wurde zum Tempel reinsten, edelsten Familienlebens. Und so entließ es einige Monate später, das älteste, geliebte Kind an den eigenen Herd. Ich will diese Aufzeichnungen nicht schließen, ohne noch einiges Persönliche nachzutragen über diese ausgezeichneten Menschen. Der junge Ketskemeter, wie wir vertraulich den neuen Rabbiner immer nannten, hatte mit seiner Antrittsrede seine Gemeinde völlig begeistert. Er hatte von den Makkabäern gesprochen, was ja im Wochentexte begründet war, und mit soviel Mut, Ueberzeugungskraft und Temparament das geistige Makkabäertum der israelitischen Glaubensgenossen angerufen, daß es durch die Adern seiner Gemeindemitglieder wie Makkabäerblut rollte, und er mit einem Schlage ihre Gesinnung befeuerte, ihre Herzen eroberte. Ohne Eroberungen geht es eben nicht, dazumal nicht, wie heute. Judith wurde ihm eine vortreffliche Gefährtin. Ihr nachdenkliches, ernstes Wesen, machte sie, trotz ihrer Jugend, zu einer Rabbinersgattin, deren Entwicklung in dem Beispiel des Elternhauses seine stärcksten Wurzeln hatte. Mein Freund,, der Rabbiner, wurde bald nach der Berliner Synode an. eine der größten Kultusgemeindeu berufen, deren Richtlinien von der Orthodoxie gepflegt wurden, die er auf der Synode überzeugend verteidigt hatte. Dort wirkte er noch lange Jahre in wahrhaft gesegneter Tätigkeit. Seine Gattin ihm zur Seite in unverändertem Stolz, und unveränderter demütiger Frömmigkeit. Rahel und Ruth sahen die Eltern in zufriedenen Ehen das Familienglück erhöhen. Rahel hatte einen Arzt und Ruth einen Gymnasiallehrer geheiratet. Und wenn sie beide auch' schon in moderner Lebenshaltung ihre Häuslichkeiten führten, so hielten auch sie die Tradition und die unverbrüchliche Zugehörigkeit zum Judentum hoch. Ich war in stetem Zusammenhangs mit der Familie geblieben. Ich