Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Bangigkeit. Sie ist mit einem Wort der Engel und der .Teufel des Menschengeschlechts/' Welch Freiheit des Denkens und welcher Bekennermut dieses gelehrten Juden, den ich Freund nennen durste, und wenn er weiterhin sagt: „damit ist ihre Bedeutung noch lange nicht genug gewürdigt. Denn in der Tat ist und bleibt die Religion die eigentliche Grundlage des staatlichen Lebens, gibt Gesetze, erhält sie aufrecht und überwacht die Ausführung." Der weise König sagte einst: Wenn Du Gewalttätigkeit und Böses in einem Lande siehst, so wundere Dich darüber nicht, denn ein Großer wacht über einen Großen und Größere über sie. Und alle sind doch nur Menschen. Wenn ich heute, ein alter Mann, diese Erinnerungen niederschreibe, in einer Zeit, wo das größte Weltgeschehnis, Alles in und um uns aufwühlt, erschüttert in den tiefsten Tiefen, und der Mensch fassungslos dem Unerhörten. Unausdenklichen gegenübersteht. so wirkt das Wort fast beruhigend: „Und alle sind doch nur Menschen." Was mir aber damals, als ich das Buch las, es mögen wohl dreißig Jahre her sein, als, wie für mich geschrieben betrachtete, war das, was er über das Verhältnis der Religion zur Naturwissenschaft sagte?) „Selbst die Naturwissenschaften unterliegen ihrer Herrschaft. Die ideale Anschauung der Natur und die empirischen Versuchs ihrer Kräfte stehen in inniger Verbindung mit dem Geiste der Religion. Der Mensch sucht nur das. was er finden will, er will aber nur finden, was seiner Überzeugung entspringt. Die Forschungen des Mittelalters wollten die geheimnisvolle Wundermacht des Geistes zu Tage fördern, während die der neuen Zeit die Allgewalt der Materie zu entwickeln bemüht sind. Die Religion übt hier ihren Einfluß nicht nur ideell, sondern auch ganz materiell. Denn wenn ihr natürlicher Sohn, der Glaube, auch nicht in Wirklichkeit „Berge versetzt, so beseitigt er doch Hindernisse, die zu Bergen sich auftürmen, und legt wieder ganz unübersteigliche Hemmnisse aus eine Bahn, die ganz eben erscheint. Er vr. H. S. Hirschfeld.