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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 149

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Das Haus
Date
1919-01-01
Page
Seite 149 (sequence 18)
Language
German
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149 sehr ernst geworden, „was diese Tage an hoher Ethik, an Moral, an Selbstzucht und Selbsterkenntnis uns Juden geben, läßt sich nicht so kurzer Hand sagen .... aber sie sind Wohl das Vollkommenste, was der Seele zum Stützpunkt gegeben werden konnte. Und daran behalten sie ihre bleibende Kraft durch alle Zeiten auch innerhalb der Verschiedenheit unserer Religionsübungen, wie sie sich jetzt manigsach kundgeben in reformierenden Bestrebungen." Ich hatte ein Gefühl der Dankbarkeit für den herrlichen Mann» der mich einen Blick tun ließ in seine Glauber^welt, und ich empfand es mit Stolz und Freude, daß er zu mir sprach in der Voraussetzung, daß ich das rechte Verständnis ihm entgegenbringe, ohne Vorurteile aus meiner Welt. Was mir aber besonders Vergnügen machte, war, daß er es beinahe als selbstverständlich betrachtete mit mir ohne Umschreibung oder Übersetzung vom Rosch haschone und Jom Kippur und N'ilah und Sukkot und Hawdala und Lulow und all den übrigen Dingen reden HU können. Auf der Tafel und in dem Kürbiskronleuchter waren die Kerzen schon tief herabgebrannt und im Eingang zur Laubhütte erschien die Rabbinerin, mit leichter Mahnung den Gatten daran zu erinnern, daß er morgen einen anstrengenden Tag gottesdienstlicher Handlungen vor sich habe. Von draußen her aber erscholl das fröhliche Lachen und Wispern der heimkehrenden feiertätig gestimmten, glücklichen Jugend. Eine Zeit regster Geschäftigkeit folgte diesen Herbsttagen. Die Ausstattung für Judith wurde hergestellt. Das ganze Haus stand in diesem Zeichen. Der Rabbiner war mehr als sonst auf seine Studierstube angewiesen und steckte nur hie und da, sein liebenswürdiges Antlitz in die Gemächer der Damen, wo allerhand notwendige und schöne Dinge für den künftigen Haushalt des jungen Paares aufgestapelt wurden. Er lächelte dann befriedigt und freudig und Ruth behauptete: „wenn'Papa mal so den Kopf durch die Tür steckt, dann ist es als ginge die Sonne auf und beleuchte die Herrlichkeiten, die für Judith da ausgebreitet liegen." Die kleine Ruth, die von Tag

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