Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Lleibt mir nur die Myrthe, als Symbol künftigen Glückes, Don der gesegneten Stunde an, wo eine Krone, aus dem wundersamen Laub gewunden, das ewige Schönheit und Unvergänglichkeit in seinem immergrünen, stillen, reinen, schlichten und doch stolzen Blattwerk umschließt, die Stirn meiner geliebten Judith schmücken wird" . . . Der Vater reichte ihm bewegt die Hand, die Augen der Mutter schimmerten feucht und die holde Braut verbarg ihr Antlitz an der Brust des Geliebten. Die Schwestern und ich waren stumme Zeugen der rührenden Szene. Nach -einem Weilchen sprach der Rabbi: „übrigens ist es interessant, daß auch Maimonides, der kein Freund symbolicher Deutungen war, für diesen Feststrauß die Aufklärung abgibt, daß die Thora diese Pflanzen für das Freudenfest Sukkot deshalb vorschreibt, weil sie alle in Palästina wachsen, Eßrog, Lulow und Myrthe sich längere Zeit frisch halten und die Bachweide täglich frisch zu bekommen ist." „Der Maimonides hat gewiß keine Braut gehabt" . . . Platzte die kecke Rahel heraus. Ein verweisender Blick der Mutter, ein belustigter des Vaters fiel auf das übermütige Mädchen, so das sie jäh erblaßte, dann aber leise hinzufügte: „Josefs Deutung hat mir besser gefallen" .. . Damit war die Spannung, die die Gemüter bewegte, gelöst, und mau setzte sich fröhlich zum Nachtmahl. Eine schöne, milde Herbstnacht verlockte die junge Gesellschaft nach der Abendmahlzeit zu einem Spaziergang, während der Rabbiner und ich noch in ernsten Gesprächen beisammen blieben, und die sorgsame Hausfrau sich zu Anordnungen für die beiden Schlußfesttage zu einer Konferenz mit Jette, dem Wirtschaftsfaktotum, zurückzog. Wir kamen auf die Symbolik jüdischer Gebräuche zu sprechen und ich erbat mir Aufklärung über einige, die mir im Laufe der Zeit besonders ausgefallen waren. Am zweiten Neujahrstage war ich einer Schar Juden begegnet, Männern und Frauen, die im Feiertagsgewand auszogen, nach dem Fluß hin, der das Städtchen durchströmte. Sie gingen paarweis, in eifrigen, leise geführten und von den üblichen Gestikulationen begleiteten Gesprächen und ' erwiderten meinen Gruß nur durch Kopfnicken. Der Zug machte '10*