Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nicht nehmen, auch wenn ich dagegen eiferte, um sie mir dann um so besser schmecken zu lassen. „Das gehört sich ä so, in ä gut Jüdisch Haus, an Jontef vor Maarew- Dawnen, Und gelobt zu Gott, mer hab'ns dazu, und die Butter ist diese Woche billig, Herr Kreisphysikus" . . . . kicherte sie mich verspottend „und an Mürbekuchen is noch keiner gestorben." — Diesen Argumenten konnte ich allerdings nichts entgegensetzen, als etwas — Salzsäure. Wir plauderten und lachten, und als ich das prächtige Elternpaar, umgeben von den lieblichen Töchtern so sesttägig gestimmt, liebenswürdig im Äußeren, fromm im Inneren, sich des „Jontef" erfreuen sah, da kamen mir allerhand Gedanken, über die Innigkeit und Würde des jüdischen Familienlebens, über die Zusammenhänge, die zwischen 'Liebe und Glauben, zwischen Demut und Hochgefühlen in diesen Kreisen eine so anziehende Atmosphäre schufen. Lag es in der Abgeschlossenbeit, die sie von den andern trennte? In dieser Zusammengehörigkeit, in der sie gewissermaßen Schutz suchend, sich nahe aneinderschlossen und sich sicher fühlten? Oder lag es in der Gesetzgebung und in den religiösen Vorschriften ihrer Glaubenslehre mit ihrer Symbolik und stark auf die Gemütsseite wirkenden Anordnungen? Auf mich machte es einen rührenden Eindruck und mich überkam es stets mit dem eines Frieden spendenden, Seelen beruhigenden Wohlgefühls. Ein alter Sinnspruch aus meiner katholischen Heimat fiel mir ein. „Des Gottesfrieden Heimat ist das Haus!" Wie seltsam! Der Katholik im Judenhaus, empfand die Wahrheit dieses Sinnspruchs. Als nach der Vesper die Mädchen sich entfernten, um noch mit den Gefährtinnen zusammen zu sein, die älteren beiden, um aus dem „Z'enno Urenno", die von Mutter bezeichneten Erzählungen mit den Freundinnen sich vorzulesen, während Ruth mit einer Gespielin das beliebte Trenderle-Spiel vornahm. Das hat sie mich auch einmal gelehrt, es war am Chanuka-Fest, au dem es mit Vorliebe in den jüdischen Familien gespielt wurde. Noch tönt mir ihr silbernes Lachen im Ohr, wenn ich das, einem Kreisel ähnliche, Mit vier Flügeln versehene aus Blei gegossene Ding