Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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merkungen mache, denn er ist nämlich ein Schadchen" ., - Sie wurde sofort aus dem Zimmer gewiesen von dergestrengen Mutter und zog ab mit einer spöttischem Grimasse. „Judith, weiß was das ist" . . . rief sie trotzig, im Hinausgehen. Und Judith?" Eine flammende Rötestieg in ihr Gesicht, in den Augen funkelten verhaltne Tränen und rasch folgte sie der Schwester. Ja, wahrhaftig. Judith wußte damals schon, was das Wort Schadchen bedeutete und Herrn Schlaume Pulvermachers Besuche . . . und sie war doch eben erst siebzehn geworden. Der Rabbiner sah seine Gattin fragend an und diese sagte ei« wenig zögernd: „Es ist schwer Rahels Neckereien und Übermut Einhalt zu gebieten" .... „Und warum auch?" begütigte er: „lasse ihr de« sprühenden llebermut, sie ist jung und ein bischen keck" sein, ist ihr Recht" ... „Aber Judith, kränkt sich" ... „Das scheint nur so . . . Judith ist ein viel zu feiner Kopf, um Neckereien der Schwester übel zu nehmen . . . dazu sind sie zu gute Freudinnen und Vertraute, die haben sich beide schon längst heimlich über Pulvermachers Visiten ausgesprochen und aus gelacht. Es nutzt nichts,. Bert'chen, dumm machen lassen sich die jungen Mädels nicht, und Heimlichtuereien machen sie nur neugieriger. Es ist also am besten, man läßt sie gewähren." Mit großen, fragenden Kinderaugen sah Ruth bald den Vater, bald die Mutter an und dann kam es zaghaft: „Soll ich Judith und Rahel rein rufen? Jette hat schon den Kaffee gebracht" ... sie deutete nach dem Kaffeetisch im- Eßzimmer, der mit allerhand Gebäck beladen, lockend winkte. „Ja, Ruth, rufe Deine Schwestern," sagte die Mutter, und wenige Minuten später saßen wir allevergnügt um den feiertägigen Vespertisch, und ich dachte im Stillen, so ein Jomtow-Nachmittag-Kaffee ist doch 'ne feine Sache. Was war das gemütlich und freundlich. Welches Behagen unter diesen lieben Menschen und wie schmeckteder dampfende Kaffee mit der dicken Sahne und den fette« Kuchen . . . . das ließ sich Jette, die alte, jüdische Köchin-