Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 7)
- Language
- German
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13« froh darüber und lächelte innerlich über die kleine» Prätensionen, die oft damit verbunden waren. Ihr Wese» und Walten war Güte, reinste tiefinnerste Güte. I» diesem Zeichen stand dieses Rabbinerhaus, Dank seiner . . . nu, sag' ich es aber gerade, mit kräftigster Betonung, seiner — Rebbezin! . ... sie hört's ja nicht. Neben diesem Ehepaar wuchsen drei liebe Kinder empor. Mädchen. Judith, die Älteste, Rahel, die zweite und eine nachgeborene. Das Nesthäckchen der Familie, von Eltern und Schwestern gleichermaßen verwöhnt. Wie hätte sie auch anders heißen können, als Ruth. Judith war ernst und begabt und nachdenklich, Rahel lustig, spottsüchtig, übermütig, und Ruth war schön, sehr schön sogar, bildschön, sagten manche. Da ich heute ein alter Herr bin, kann ich's ja verraten, ich glaube, ich war in das Kind reineweg verliebt. Wenn sie so in kindlichem Frohsinn, das Köpfchen durch die Türspalte von Vaters Studierstube steckte und ihn anlachte mit unvergleichlichem Liebreiz und entzückender Anmut, dann erhellte sich sein Antlitz und das ganze Zimmer schien wie in Frühlicht fteudiger Morgenröte getaucht. Und wenn er sie anrief: „Komm nur herein Ruth", und sie näher kam, sich schüchtern an ihn schmiegte und er seine Hand auf ihr goldbraunes lockiges Haar legte, dann war es wie ein Segen, stumm und doch beredt. „Jeworechechu. Der Herr segne Dich und behüte Dich" .... tiefinnerst hat dieser hebräische Segensspruch immer meine Seele berührt und wie wundervoll war mir die Deutung, die der Rabbi mir eines Abends über diesen Segen der Kohanim gab. Auch die Form habe ich an einem hohen jüdischen Feiertag in der Synagoge mir einmal angesehen. Die Würde und der Ernst berührten mich, den Christen, mächtig und gaben mir viel zu denken. Zuviel vielleicht, und ich erinnere mich plötzlich an den alten Schlaume Pulvermacher, mit dem ich damals das Gotteshaus verließ und der zu mir sagte: „Herr Kreisphysikus, ich glaube, Sie sind falsch geschmatt" . . . Rahel machte ihre Witze, als ich dies Nachmittag erzählte, und behauptete, der alte Pulvermacher möchte mich gewiß gern verheiraten, wenn er solche Be-