Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 6)
- Language
- German
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oder beleidigen, aber sie hält auf Formen und Distanz, in der Khille und wegen der Kinder zu gesund und zu leben, und sie will sogar durchaus für die Nachmittagsstunden ä Französin engagieren. Kleinigkeit wird das ä Aufregung bei den Palbatim Hervorrufen", und nun brach er in ein vergnügtes Gelächter aus, in das ich lustig mit einstimmte, „aber recht hat sie, ganz recht I In vollendetsten Hochdeutsch hätte ich Ihnen dies nicht besser sagen können, recht hat sie!" Ob sie recht hatte, die prachtvolle Frau! Mit wahrer Sehnsucht erinnere ich mich ihrer, zu der eine tiefe, innige Verehrung mich hinzog, sobald ich sie näher kennen lernte. Stets würdevoll und vornehm, mit einer Grandezza, die sie für den spanischen Hofstaat hätte geeignet scheinen lassen. Form und Haltung unverbrüchlich bewahrend, und trotzdem sie eigentlich von kleiner Gestalt, war etwas königliches in der Erscheinung. Durchaus Aristokratin, die ihrer Abstammung Wurzel mindestens dem Erdreich der Zionsburg entsprossen wähnte. Tatsächlich gehörte sie einem der ältesten und vornehmsten Judengeschlechter an. Talmudgelehrsamkeit bis in Generationen zurück. Ich hörte mal etwas von einem Stammbaum, der zehn Generationen rückwärts führte, und allüberall Gelehrsamkeir und Wohlstand und eine entschiedene Entwicklung ins moderne Leben. Davon wollte sie nun gerade nichts wissen. Sie sprach lieber von ihren Urahnen von dazumal, als von ihren Vettern von heute, in so angesehenen Stellungen diese sich auch befanden. Denn diese Rebbezin — Pardon, diese Frau Dr. war fromm und gütig und fromm und klug, und fromm und hilfreich und fromm und sanftmütig. Fromm im konservativsten Sinne, sogar auch apolitisch, ihrem schon mit dem demokratischen Del der 48 er Jahre gesalbten Gatten gegenüber. Es war ein Genuß ihren Debatten zu folgen, die er absichtlich herbeiführte, um sie unmerklich zu necken und in Eifer zu bringen. Aber dies gelang immer nur bis an die Grenze ihre Würde und aristokratischen Haltung. Nie vergaß sie, was sie ihrer Herkunft schuldig zu sein glaubte. Und wie veredelte sie unbewußt diese Häuslichkeit. Er wußte es sehr genau und war dankbar und