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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 121

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Unsere Großväter
Date
1919-01-01
Page
Seite 121 (sequence 11)
Language
German
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121 Sitzung war ein Bischof aufgestanden: „Wir können" sagte er, „den Juden überhaupt keine Konzession machen,' weil die erste notwendig weitere Konzessionen Hervorrufen wird, bis diese Juden verlangen werden, Bürger des Landes zu sein, während sie noch immer in ihren Gebeten auf den Messias warten, der sie nach Palästina zurückführen soll." Deak replizierte: „Ich glaube, wir alle, der Herr Bischof eingeschlossen, können sehr wohl zufrieden sein, wenn die Juden nur so lange gute Ungarn und brave Bürger sein werden, bis der Messias wirklich kommen und sie nach Palästina führen wird." Das Haus lachte und entschied für die Öffnung." Bald zogen die Juden in hellen Scharen nach den Hauptstädten Wien und Budapest wie damals vor 30 Jahren die preußischen Juden nach Berlin gezogen waren. Aber die Verhältnisse lagen in Wien und Budapest wesentlich anders. Die Preßburger' Kaufleute hatten schon seit undenklichen Zeiten, seit dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts einen regelmäßigen bedeutenden Engros-Handel und standen mit Wien in regster Geschäftsverbindung. Zuletzt blieben sie die ganze Woche über in den Hauptstädten und kehrten nur Sonnabend ins Ghetto zu ihrer Familie zurück. In den Hinterhäusern einer der Vorstädte Wiens hatten sie ihre Warenlager, ihre Komptoire, auch sogar ihre Fabriken. Nur mußten alle Firmen unter anderem, christlichem Namen gehen. Das war ein offenes, von den Behörden geduldetes Geheimnis. Der Nutzen für das Gemeinwesen war ja zu groß, als daß man dagegen einzuschreiten für klug gehalten hätte. So kam es denn, daß nach Öffnung des Ghetto die Juden bei ihrem Einzuge in die Hauptstadt schon heimisch darin waren. In dem kleinem Bezirke dieser Vorstädte mit ihren Hinterhäusern lag gleichsam das Zentrum des Engrosgeschäftes für das ganze Reich. Der Absatz dieser Wiener Erzeugnisse, ja zum Teil der ganzen Industrie Österreichs ging durch die kommerziellen Kanäle dieses kleinen Stadtteils, in dem von früh bis abends ein Verkehr war, der an Lebhaftigkeit weit denjenigen der eleganten Straßen Wiens übertraf. Das änderte sich

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