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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 107

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 107 (sequence 40)
Language
German
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--- 107 vielleicht meinen Namen ^auch und weihet meiner Asche eine -stille Träne, — Ihr Schreiben von Marienbad aus hat größtenteils die- Frankfurter Reform und Ihr desfalsiges Gutachten zum Thema- Für mich ist, was die Aufforderung an Sie von seiten des Beth. dm betrifft, das Interessanteste und Wichtigste — die Aufforderung selbst: so weit ist es gekommen, daß ein Beth. din einen Prediger, einen Mann, den alle Bäte din in der We.lt vor 30 Jahren — gekreuzigt, haben würden ad gl oriam dei, um ein Gutachten in einer so ganz israelischen, orthodoxen Angelegenheit, um ein Gutachten angehen. muß. Das gehört zu den merkwürdigsten Zeichen der Zeit in Israel und ist wahrlich kein schlimmes Zeichen! Noch habe ich von-jenen Gutachten nichts gesehen, ich höre, sie sollen nur für Auserlesene abgedruckt werden. Das wäre freilich ein Unsinn, denn diese bedürfen ihrer nicht. Ihre Ansicht über diesen Gegenstand ist auch die meinige: „Mrp'ne schehascliaah. zricha l’kacli“, sonst aber birr ich überzeugt, daß uns gerade die Beschneidung um einen großen Teil, unserer gediegenen Glaubensbrüder bringt. Es ist nicht, wie Sie sagen,, die weibische Furcht vor einer ängstlichen Stunde/sondern die- Ansicht, daß es eine Barbarei sei, und mit einer barbarischen Handlung die Religion Israel einleiten, was selbst mehrere für Judentum sortierten Israeliten zum Christentum führt und verführt. Und — was sehr arg ist selbst in Ländern, in denen der Staat sich um die Beschneidung ebenso wenig als um die Taufe kümmert, da die Beschneidung einmal als conditio sine qua non im Judentum gilt: so gehen die unbeschnitten gebliebenen Kinder, sobald sie' selbständig sind, zum Christentum über, weil sie sich b e sch w ichtigem si< waren als Unbeschnittene doch keine Juden, warum also für nichts und wieder nichts all das Elend erdulden, das mit dem Namen d'imdi verbunden ist. Es wäre demnach zu erwägen, ob es nicht an der Zeit sei, daß man die Beschneidung als keinesweges für's Judentum, integrierend geflissentlich darstelle? Ich gestehe Ihnen übrigens^ daß so oft ich über diesen Gegenstand nachdenke und dabei auf den Zustand des Judentums mein Augenmerk richte, zweifelnd mit jenem Rabbi sage: Wehe mir, wenn ich spreche, wehe mir, wenn ich schweige. So ganz und gar unrecht haben die Reformer nichtwenn sie unser jetziges Verfahren als nachteilig wirkend ans unsre Kinder erklären. Es ist ein ewiges Schwanken und Wanken, ein Verbergen und Verhüllen und ein Widerspruch führt zum andern, bis der Sohn oder die Tochter auf einmal den Widerspruch löfet: und bald früher bald später zu der (?) Wasserkur die leidige Zuflucht nimmt. Nur ein allwissender Geist könnte uns aus diesem Labyrinth führen. Wir meinen es allesamt mit dem Judentum gut, sonst würden wir es verfallen lassen; nur kann keiner mit Bestimmtheit sagen, daß seine Weise die bessere, sein Weg zum erwünschten Ziele führt. Auch unser Trost.ist kein anderer als der des schon damals klagenden und zagenden Rabbi: W’anu en lanu rhisciaen ela al Awinu sdiebaschamajim. — Wenn Ihnen zwei.

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