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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 106

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 106 (sequence 39)
Language
German
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106 grammatisch zu schreiben und noch etwas anders als Sprachen verstehen, auf tausend Hindernisse stoßen, so sie mit ihren Freunden korrespondieren wollen. So gehet es Ihnen, so gehet es mir. Zwischen einem Brief und dem andern liegt jedesmal eine Ewigkeit en miniature und dann wieder eine, ehe man zu der Antwort kommt und dahin ist das Jahr, man hat sich kaum zwei bis dreimal gesehen, daß heißt geschrieben. Doch da nach Hegel alles was ist, vernünftig ist, so wird der ökonomische Briefwechsel Wohl auch vernünftig sein, und jede Klage darüber verstumme. Genug, ich weiß. Sie sind wohl, das Bad restauriert Sie Jahr aus Jahr ein. Sie leben, schaffen und Wirten, predigen, kopulieren, konfirmieren, schreiben Gutachten über Gebetbücher und Beschneidung, sorgen daß. der heilige Bund in Israel aufrechterhalten werde, erfreuen Ihre Freunde durch geist- und gemütvolle Briefe, was will und brauche ich wohl mehr von Ihnen zu wissen, um an Ihnen und Ihrem Wirken den wärmsten Anteil zu nehmen und Ihrer Wohlfahrt mich zu freuen! Und darf ich über Ihr Schweigen klagen? Ich habe zwei liebe Schreiben von Ihnen vor mir liegen, eines vom August «uS Marienbad und eines vom November von Wien aus datiert! Und das zweite so ganz und gar Liebe und Zärtlichkeit, daß ich gern unmittelbar nach dem Empfange zu Ihnen geeilt und an Ihrem Herzen meinen Dank gestammelt hätte. Ja, geliebter Freund! me haben mir durch dieses liebreiche und gemütliche Schreiben eine gar köstliche Nachfeier bereitet. Und ob Sie mir gleich weit mehr Schönes gesagt haben, als ich verdiene, so tat es mir doch wohl «us Ihrem Munde, es war mir für manche Mühen und Kämpfe eine süße Belohnung und zugleich eine Ermunterung, dem Ideale in Ihrem Geiste immer näher zu kommen. Ihr Brief hat ihn in mein vergangenes Leben auf's neue mir vor die Seele gestellt und mir den Tag veranschaulicht, da Sie nach Hamburg kamen, nach dem Orte pilgerten, wie Abraham, um dort Gottes Namen zu verkünden und die Bewohner einer frivolen Stadt ahnen zu lassen, welche Kraft in diesem Gotteswort liegt, wie Sie zurücke kehrten rmd in Ihrer Vaterstadt das Alte auf's neue wieder fortsetzten; wie such ich in Ihrem Heiligtume einmal die Stimme erhoben, wie Sie dann später in der lauesten und flauesten Gemeinde so gewaltig gepredigt und ganz anders wie die Schristgelehrten; wie aber dies und jenes, wie alles, alles vergeblich — geschienen, aber nicht vergeblich gewesen! Die Saat ging dennoch auf, ging auf in allen drei Gemeinden, da mehr da weniger, aber sie war nicht vergebens suSgestreut. Ihr Wort ist nicht auf steinigen Boden gefallen und Kopenhagen, Berlin und Wien mögen wie einst um Homer sich streiten, wem Sie mehr angehören. Genug, das Bessere hat gesiegt und wenn die Geburtswehen der (?) überstanden sein werden, so werden wir von einem beleck jullad lanu, von einem Ssar Schalom fingen und rühmen können. Sie sind dann noch frisch, und rüstig und intonieren mit männlich-lauter Stimme; ob ich es noch erlebe, ser dahin gestellt. Was tuts, habe ich doch an der Festzeit Mitarbeiten helfen und einer und der andere meiner Freunde nennt dann

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