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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 105

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 105 (sequence 38)
Language
German
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105 - Ueber die Rosa'sche Demonstration haben wir alle von Ihnen einen gediegenen Aufsatz erwartet. Warum haben Sie geschwiegen. Das so hoch eingeschätzte Schweigen ist wahrhaftig nicht immer probat geblieben! Und wenn wir immer geschwiegen hätten, stünden wir jetzt auf der allerniedrigsten Stufe. Wer das Wort hat, der muß reden und wiederholt reden. „Koehenu b’Peh“! ward ja schon in der frühesten Zeit von uns behauptet. Daß ich hierbei an kein Polemisieren gegen Religion und Kirche denke, verstehet sich übrigens von selbst. Und wohl Ihnen, daß Sie der Herr so gestellt, daß Ihre Klrchkinder allesamt sich um Sie sammeln und einen Hirten haben und verehren. Uns ist es nicht so gut geworden und ich für meine Person würde Orgel und deutsche Choräle hergeben, wenn durch eine solche Aufopferung eine Vereinigung zu bewirken gewesen wäre. Da aber die Finsternis in den Hamburg—Wonaer—Wandsbecker-Gemeinden weit tiefer und gräßlicher ist als im ärgsten Winkel von Polen, so müssen wir unseren eigenen Weg gehen und hoffen auf dieser Bahn, wie Sie auf jener das Ziel zu erreichen, wenigstens dasselbe erreichbar zu machen. Aus eigenem Antriebe werden Sie — das wage ich zu behaupten — ebensowenig wie wir die letztere Bahn verfolgen! Unser Wort sei denn: „Halaln ossrin w’halalu mattirin, ein w’eln diwre Eloliim chajim“. Mit unserem Tempelbau gehet es rasch vorwärts. Am 18. Oktober wurde der Grundstein gelegt. Der Streit über das Gebetbuch ist beseitigt, nur daß Bernays noch von Zeit zu Zeit angegriffen wird, wie neulich erst von Steinheim, seinen Orient betreffend. Das ist wohl einzig in der Weltgeschichte, das man einen Rabbiner zu einem „Götzendiener" stempelt und es ihm aus feinen Schriften beweist. Frankel hat die Bedingung gestellt, nur dann die Rabb. Stelle in Berlin anzunehmen, wenn das Ministerium des Kultus ihm das Vokativ schicke. Noch ist sie nicht erfolgt.» Ich hätte unserm Sachs die Stelle lieber gegönnt. Wenn Sie an ihn schreiben, gedenken Si'e meiner bei ihm mit den herzlichsten Grüßen. — Gott erhalte Sie und die Ihrigen zur Freude Ihres Salomon. - Die Einlage besorgen Sie mir wohl. NB. Können Sie denn für H. Wefselh's hebr. Nachlaß, in welcher Angelegenheit der Sohn des Verewigten Ihnen schon längst geschrieben, gar nichts tun? Kann Schmidt nichts dafür tun? Ich bitte Sie, interessieren Sie sich einigermaßen für diese liter. Angelegenheit im Interesse der Witwe und der Waisen. — XX. Hamburg, am 31. Januar 1844. Jnnigstverehrter Freund! Das weiß der liebe Gott, warum Personen, die kaum orthographisch schreiben können, ihren Briefwechsel so prompt und regelrecht pflegen und imterhalten rönnen, während Menschen, die sogar

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