Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 36)
- Language
- German
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108 ich ihn mir nunmehr anders denken kann als den H. in O. — Mit der Anzeige von dem Inhalt Ihrer gewiß sehr gediegenen am verwichenen Feste gehaltenen Predigten haben Sie mir eine große Freude bereitet. Wenn sie nur erst im Drucke erschienen wären. Wann kommt denn der 2. Teil Ihrer Predigten über die Paraschoth? Ich möchte gern meinen: „Eliah, der Kämpfer für Gott und Wahrheit" bald herausgeben; dazu sind aber bessere Augen und — mehrere Abonnenten von nöten. Doch will ich bald Anstalt dazu machen, für die letztren werde ich meine Freunde, für die erstem einen guten (?) . . . in Anspruch nehmen. — Unsere Tempel l'fillak ist vergriffen und wird bei einer (neuen) Auflage sehr wertvolle Verbesserungen erhalten. Schreiben Sie mir doch Ihre Ansicht über ein neues Gebetbuch, wie es sein und nicht sein darf. Wir wollen diesmal das: „Eile mit Weile"! besser beobachten. — Die Novitäten in der hebr. Literatur sind zu übersehen, es ist lange nichts Gediegenes erschienen; fade Predigten und Religionsbücher in nuce nehmen wohl den größten Raum in unseren Katalogen ein. Kennen Sie Gefrörers: „Die Jahrhunderte des Heils". Der Fleiß, mit dem diese quantitativ und qualitativ bedeutende Schrift gearbeitet ist, verdient großes Lob. Wenn Sie dieselbe kennen, möchte ich wohl Ihr Urteil darüber hören. Hambergers Uebersetzung des de Rossischen hist. Wörterbuches ist soeben erschienen und mit vielem Fleiße gearbeitet. Ihr Dukes wird sein Pantheon bald aufgebaut haben. Ich sah ihn oft diesen kenntnisreichen Mann, der auch ein besseres Schicksal verdient; er muß sich wohl quälen, um durchzukommen. — Von meiner Wenigkeit soll ich Ihnen auch etwas sagen, sowie von den Meinigen. Ihre Teilnahme rührt und erfreut mich. Mir selbst geht es bis ans meine Augen körperlich gut, geistig — nun da glaubt jeder gut daran zu sein. Sorgen, Sorgen liebster Freund! bleiben nie aus. Die Ausgaben sind größer als die Einnahmen und das ist arg. Die Kinder, Gott behüte sie! erfordern Geld, Hamburg ist ein teueres Pflaster und Flaster(?)! Mein. Moritz ist seit einem halben Jahr als Mediziner promoviert, er hat in Heidelberg seine Studien gemacht und vollendet sie jetzt in Paris. Zum nächsten Sommer wird er hier sein Staatsexamen machen. Er ist ein trefflicher Mensch, der an Leib und Geist und Herz gesund ist. — Meine einzige Tochter Anna zählt bald 20 Jahr, ein gutes, holdes Mägdlein. Wenn ihr künftiger Mann sie so innig liebt wie ich, so kann sie und ich zufrieden sein. Doch bis der künftige Gemahl kommt, wird der Vater noch mancherlei Sorge haben. Sie wissen, bei uns müssen die Töchter Geld haben, wenn sie etwas gelten sollen. Das Kbrige ist nur zu der Morgengabe — Zugabe. Mein zweiter Sohn Raphael, 17 Jahr alt, besucht das Johanneum und will Jura studieren. Das dritte Söhnchen Eduard will Kaufmann werden. Ich muß meiner Kinder Glück und Zukunft dem Vater im Himmel überlassen. Viel kann ich nicht für sie tun, außer daß ich für die Ausbildung .ihres Geistes und die Veredelung ihres Herzens sorge. Das will ja der Herr uns überlassen. Und nun genug für heute. Haben' Sie Nachsicht mit meinem ' Schreiben und erfreuen Sie mich wohl bald wieder mit einem recht ausführlichen Briefe von Ihrer Hand und sagen Sie mir recht viel über die Ihrigen, die ich auf's herzlichste grüße.