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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 101

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 101 (sequence 34)
Language
German
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101 werden. Das rate ich Ihnen ebenfalls, liebster Freund! Jedes Ihrer Kinder hat zu Ihrer Gesundheit die gegründesten Ansprüche? -Gott möge Sie lange bei denselben erhalten. Ohne das ich sie kenne, liebt sie mein Herz, vielleicht ist es mir noch einmal vergönnt. Sie in Ihrem Heiligtum zu sehen und Ihnen persönlich die Versicherungen meiner Liebe und Verehrung auszudrücken. Leben Sie recht wohl und heitern Sinnes und erfreuen Sie recht bald wieder mit Ihren lieben und sinnreichen Worten Ihren Salomon. XVII. Hamburg, am 6. Feber 1839. Sie, geliebter Freund! haben es schmerzlich empfunden, was eS heißt, seinen Freunden und Lieben nicht schreiben können und dürfenweil der Augenarzt es untersagt hat. Schon seit einem Jahre haben meine Augen, auf deren Licht und Weitsichtigkeit ich mit viel zu gute tat, an Kraft und Starke bedeutend verloren, so daß ich um deutlich fernere Gegenstände zu distinguiren mich einer Brille bedienen muß, die ich früher für das entbehrlichste Ding auf Erden und im Himmel gehalten. Zuweilen schmerzen mich beide Augen dergestalt, daß ich alles Schreiben unterlassen muß, das ich mir nur bei sehr hellem Wetter erlauben darf. Ich schreibe das Nebel der großen anhaltenden Anstrengung zu, die meine biblischen Arbeiten erforderlich machten „W’seh chelki mikkol Amali“. — Ich vertraue auf den Vater des Lichtes, der diesen bittern Kelch von mir nehmen wird, wenn ich die Vorschriften des Arztes befolge und — so wenig als möglich lese und schreibe. Wie gesagt, lieber Freund! Sie wiffen es aus Erfahrung, wie schmerzhaft diese Entbehrung für Geist und Herz ist und entschuldigen nicht nur den saumseligen Briefsteller, sondern -bedauern ihn aufrichtig und nehmen Teil an dessen Schicksale. Heute fühle ich mich Indessen ganz wohl und benutze es, um ihnen recht herzlich für die Liebesdienste zu danken, die Sie mir und unserer Bibel geleistet und noch ferner zu leisten verheißen. Gott lohne es Ihnen, der alles Gute vor und nach der Tat belohnt. Es wird viel Schwciß und Mühe kosten bis für 16 000 Mk. Cour. Bibeln bei den Kindern Jakob's abgesetzt sein werden, denn so groß ist vorläufig der Kostenbestand nach der schriftlichen Angabe des Buchhändlers und quasi Verlegers, dem ich freilich als ein im Buchhandel Unerfahrener nicht nachrechnen kann. In finanzieller Beziehung darf ich also mit Recht sagen und klagen „Umsonst vergeudete ich meine Kraft"; doch ich erhebe mich an dem Bewußtsein und dem Gedanken, daß unsere Bibelübersetzung einem dringenden und heiligen Bedürfnis abgeholfen hat und Segen in Israel schaffen wird. Auf Gewinn rechne kein Schriftsteller, der für Juden schreibt, sie achten und kaufen keine Bücher, aus direktem Wege -gewiß nicht, man muß sie ihnen anbieten wie die Lappen und Lumpen, die ihren Leib decken und schmücken, oder aufdringen wie den Kindern die bitterste Arzenei, oder schenken und ihnen noch dabei schöne Briefe schreiben und dann schreiben sie keine Antwort. So quälte mich vor längerer Zeit ein Hamburger mit den Worten: „Ich bitte Sie, schicken Sie dem Wiener Rothschild — ich kenne gar seinen Namen nicht, ein

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