Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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100 war einige Mal in Versuchung die Stelle in Ihrem Briefe, die mit^ Lava geschrieben ist, bei schicklicher Gelegenheit ganz wörtlich abzudrucken, wenn ich nur Ihre Erlaubnis dazu gehabt hätte. Ohne Ihren Namen zu nennen möchte ich es noch tun, sobald Sie es mir nicht ausdrücklich verbieten. Es wird sich bald eine Gelegenheit finden, den Herrn Johlson an den Pranger zu stellen, und da wäre es ein Wort zur Zeit. Geißeln Sie den Schuft doch. Vor der Erscheinung der Bibel wollte ich den elenden Menschen nicht zurecht setzen» aber „Udjom pokdi upakad’ti'4 er svll daran denken. Was sagen Sie denn zu der ... . jüd. Fakultät? wie weit es damit gekommen» werden Sie wohl in der jüdischen — Judenzeitung gelesen haben. Ob die Realisierung zu wünschen oder zu fürchten sei? Ich möchte wohl Ihre Meinung darüber hören. In Süden von Deutschland findet das Projekt keinen Anklang und die Gelder kommen groschenweis zusammen. Hier fanden einige Individuen Wohlgefallen daran, weil sie ihre Namen nett und deutlich abgedruckt und Anspruch auf Unsterblichkeit bekamen. Meißen Beitrag mit 30 M. habe ich indessen auch gezeichnet. Wie ich mit Kley stehe? comme a Pordinaire. Wir sehen und sprechen uns sehr selten, er sieht oft Gesellschaft bei sich (das ist alles, was er sich in seiner — Armut erlaubt), aber seine Amtsbrüder irritiert er nicht, weder Wohlwill noch mich. Das Amt führt uns äußerst selten zusammen, unsre Behörde glaubt, unsre Sachen ständen excellent. Fortschritte wären nicht möglich, wozu also neue Sessionen und Beratungen? In der Schule quält sich der gute Mann tüchtig herum, denn weder Schüler noch Kollegen respektieren ihn, was er auch seiner Unselbständigkeit halber nicht sonderlich verdient. Indessen hat ihn der Herr und sein verstorbener Schwiegervater mit irdischen Gütern reichlich bedacht und gesegnet. Mir sagt sein Anwalt, daß der alte Fränkel 70,000 Mark Banco hinterlassen habe. In dem Testament hat der Verstorbene auch dessen arme Verwandte mit einer Summe bedacht, doch der Schwiegersohn griff das Testament an, weil er nichts von dem Vermögen missen wollte u. s. w. u. s. w. So verteilt das SHicksal seine Gaben, dem einen, wie mir z. B. packt es seine Sorgen auf, dem andern feine — Goldsäcke! „Umi jomar lo mah taasse“. Doch gab es mir auch eine leichte Kasse, so gab es mir auch einen leichten Sinn; ich arbeite viel undgerne und die Lasten hilft der gütige Himmel tragen. Meine Kinder sind gut und wenn mich Gott bei denselben noch läßt, so werden sie mir noch Freude machen, und das ist mehr als Bargeld. Ihnen gratuliere ich zu dem neuen Sprößling, die alten erhalte Ihnen Gott und möge dem Stamme mit jedem Zweige neue Saft und Kraft werden. Mit Ihren Augen geht es doch Wohl ganz gut wieder? Im nur eben vergangenen Winter zitterte ich sehr für die meinigen und machte mir Vorwürfe über meine Anstrengung. Mit dem eigenen Augenlicht für das Licht anderer zu sorgen, ist man doch wahrlich nicht schuldig. Nun aber gehet es besser und ich will sorgfältiger-