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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 94

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 94 (sequence 27)
Language
German
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94 Wenn Sie Herrn Dukes sehen, liebster Freund, so sagen Sie Demselben wohl meinen Dank für die mir freundlichst zugesandte Schrift über unsre Poesie und unsre Poeten, die unterhält und Belehrt zugleich und den Wunsch nach der Fortsetzung rege macht. Das kleine Lied von Salomo ihn G-abirol „Schachar Kamti“ — habe auch ich in unsrem neuen Gesangbuche Nro. 322 übersetzt und bearbeitet. Zum Schlüsse habe ich Ihnen noch Grüße von vr. Leo Wolff zu bringen, der jetzt wieder zu den Unsrigen gehört. Er ist glücklich » verheiratet. Auch von Dr. Riester habe ich Ihnen allen Grüßen zu Bestellen; ich war gerade in Wochenheim, als Ihr Brief an ihn onkam. und Freude brachte. — Und nun Gott befohlen, liebster Freund! Leben Sie wohl und erfreuen Sie recht bald 'mit Ihrem Schreiben Ihren Sie verehrenden Salomon. XIV. Verehrtester Freund! Es ist lange her, daß ich Ihnen nicht geschrieben, von Ihnen michts gehört habe. Die Worte in- Ihrem letzten Brief, daß Sie ungerne über Sachen viel reden und schreiben, die vielmehr durch die Tat gefördert werden, schreckten mich ab, Ihnen zu schreiben und über Dinge zu unterhandeln, die. so sehr sie uns auch beiderseits interessieren, aus divergierenden Gesichtspunkten von uns betrachtet werden, ob wir gleich trotz dessen in der Hauptsache eins sind. Ich muß jedoch auf Ihren oberwähnten Brief und die darin enthaltenen Musterungen zurückkommen und sie zu beleuchten suchen. Sie glauben, daß ich die Bibel sobald, und Sie so gut als möglichgefördert sehen möchten. Ich würde mir selbst zu viel tun, wenn ich mich zu diesem Gegensatz bekennen wollte. Auch ich wünsche das Bessere zu liefern, stehe aber nicht so hoch wie Sie, lieber Freund, um nicht auch an meinen'Leistungen persönliche Freude hier auf unserm materiellen Planeten schon genießen zu wollen und begnüge mich nicht damit, wenn die Bibel erst „nach meinem Tode" erscheint. Daher-ich sie denn sobald als möglich gedruckt sehen möchte. Ich möchte die verschiedenen Ansichten, die wir beide von der Sache haben, also ausdrücken: Sie wünschen das Beste zu liefern, ich das Bessere, wir wollen die Verbesserung bis zur höchsten Potenz unfern Nachkommen überlassen — zum Bessern aber brauchen wir das Ziel nicht so gar weit hinaus zu setzen; denn ckrotz des vielen Mittelmäßigen ist doch auch viel gutes — vorgearbeitet, das man benutzen darf und soll. Zu tadeln wird immer sein und zu verbessern wird immer sein, und wenn wir an jedem biblischen Buche ein Säculum arbeiteten. Und um, wie Sie sagen, durch eine gelungene Uebersetzung den Durst nach Gottes Wort zu -erregen — du lieber Gott! wenn das das Original nicht vermochte, die Kopie und Verdolmetschung vermag es gewiß nicht, und wenn sie mit schwarzem Feuer auf weißem Feuer erschiene! Die

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