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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 93

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 93 (sequence 26)
Language
German
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93 nach zweimonatlichem Herumschweifen und fand so viel Arbeit vor daß mir angst und bange wurde und an Briefschreiben nicht zu. denken war, auch keine Stimmung dazu da war und wenn diese fehlt, so tue ich wohl ein Buch schreiben aber keinen Brief, am wenigsten einen freundschaftlichen. Die festliche Stimmung, die sich Chol hamoed einzustellen pflegt, wollte ich dazu nützen, Ihnen, keinen Brief, sondern eine Megilla zu schreiben. Siehe dal Mein. Portefeuille hat jedes Billet, nur Ihren Brief nicht. Der mutz an einem der gedachten Orte oder auch in Stuttgart, wo ich lange bei. dem Doktor und Kirchenrat Maier war und Sie der gefeierte Gegenstand unserer Unterhaltung waren, liegen geblieben sein. Ich schrieb danach, aber bis jetzt ist er noch nicht wieder da und ich vermisse ihn sehr schmerzlich. Der Hauptinhalt ist mir allerdingsbekannt, doch nicht jeder einzelne Punkt. Doch ich habe schon der Worte so viel gemacht und noch immer nicht mich auf Ihr Befinden, erkundigt! Ihr Augenübel ist hoffentlich gehoben und so können Sie noch ein halb' Jahrhundert nicht nur wie ein Prophet des Herrn sondern wie sein — Seher reden und mahnen. Auf meiner Reisehabe ich oft und viel nach den kirchlichen und religiösen Angelegenheiten in Israel mich umgesehen und neben dem vielen Schlechten auch manches Gute und Heilsame gefunden. Am besten wirken Geiger und Maier in Stuttgart. Letzterer hat das Kirchenwesen in dem würtembergischen Israel sehr gut organisiert. Der Mann hat einen praktischen Blick. und gehet mit vieler Umsicht zu Werke. Er hat viel getan. Geiger geht weniger behutsam zu Werk und istweniger praktisch, ob es ihm gleich an vielfältigen Kenntnissen nicht fehlt. Zurück ist man im Badenischen, im Darmstädtischen und in Ff. ist autzer dem sogenannten Andachtsaal, der mehr von Töchtern als von den Söhnen Israels besucht wird, alles beim Allen. Sobalddie Bibel in ihrem deutschen Gewände in die Welt getreten, arbeite ich mein Reisejournal aus und die jüdische Kirche, was sie ist und' werden soll und mutz, soll einige Kapitel einnehmen. Doch jetzt verschlingt die Bibel meine Zeit und meine Kräfte. Es. ist eine Riesenarbeit und ein einziger Vers kostet mir oft Tage und Wochenp das fteilich keiner glaubt, der die Arbeit nicht selbst versucht hat. — Ich sende Ihnen schon llsremla und Ezechiel. Ich hoffe, daß. Sie diese Bücher für die Ihrigen erkennen, indem ich nur einige Ausdrücke als Redakteur anders gestaltet und zwar nur da, wo es mir schon der Einheit des Ganzen wegen, unumgänglich nötig schien.. An Ihre Psalmen aber habe ich mich nicht gemacht, ich hätte, da Sie dieselben für die „Erbauung" bearbeitet haben, jedes Kapitel abändern müssen und dazu fühlte ich mich nicht berechtigt; es wäre alsdann weder Ihr noch mein Werk gewesen . . . Das wollte und durste ich nicht. Ich mußte also selbst arbeiten. Das Publikum mag sich mit den Hoffnungen trösten, datz Sie dasselbe mit Ihrem allerdings sehr erhebenden Erbauungsbuche früher oder später beschenken werden. Sie finden neben den Propheten Ihren königlichen Sänger unversehrt und in optima forma.

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