Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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XII. Hamburg, am 24. April 1834. Sie haben mir erlaubt, geehrter Freund, Ihnen bald zm schreiben und so mache ich von dieser Erlaubnis Gebrauch und danke- Ihnen vor allem mit aller Innigkeit meiner Seele für Ihr Schreiben,. Kr die Aussicht auf bett Ezechiel, den Sie mir machen, sowie für die Mitteilungen, politisch-jüdische Angelegenheiten betreffend. Zch-> nehme herzlichen Anteil an dem Schmerz der fehlgeschlagenen Hoffnung der österreichischen Juden. Haben wir ja alle nur ein Herz und die Wunde, die dem einen geschlagen wird, blutet auch bei den andern. Man wird wahrlich bei aller Liebe, mit der man die Menschen allesamt umfasset, dennoch gar zu oft in Versuchungen, geführt, bei offener Türe das „Lch'toch Chamath’cha“ zu sagen, denn man tut uns gar zu wehe . . . Und dabei affektieren die Elenden von Sorgfalt für unser geistiges Wobl. Zum Himmel! wollen sie uns den Weg bahnen und lassen uns auf Erden verschmachten und um die Rechte betteln und vergebens betteln, die man wahrlich der wildesten Bestie zugestehen würde, wenn sie darum., ansuchen könnte. Glücklich die vielen in Israel, die für ihre Herden einen so kümmerlichen Zustand als diesen wünschen und die Rute küssen, mit der man sie züchtigt; aber wir — wir — oder jeder von unskann dem Propheten nachsagen und nachklagen: Ich bin der Mann, der das Elend selbst gesehen u. s. w. Kaum ist es den armen Juden zu verdenken, wenn so fehlgeschlagene Hoffnungen sie entmutigen und für höhere Angelegenheiten schlaff machen. Dieselben Klagen, führt auch der wackere Rabbiner vr. Frankel in Dresden, der Schwester Wiens, ob es gleich dort weit besser geht als bei Ihnen und.-- uns, die wir — was Emanzipation betrifft, noch tiefer und vielleicht' am tiefsten stehen. Und unter allen Gemeinden in Europa haben wir das Wenigste zu erwarten, denn uns stehet gerade diese gute Verfassung dieses kleinen Freistaates im Wege. Da muß der Herr, soll es besser werden, etwas Neues erschaffen. Neulich suchte ein: armer Jude eine zur Franzosenzeit erhaltene Konzession, Glaser zu. sein, aus bestäubten Papieren heraus und kam saxxlicanäo beim Senat ein. Endlich kam der Bescheid, daß der Supplikant als Ausnahme Scheiben einsetzen dürfe, aber nur alte Scheiben, aber nur bei Juden, aber nur soviel als zur Fristung seines Lebens nötig, ist. Ich habe das Dekret in Händen gehabt, sonst hätte ich den Jnhalt für eine Satyre auf die Humanität gehalten. Ja, ja! Weit lann l’hischaen ela al awinu schebaschämaj im. Was Sie mir über Bibelübersetzung überhaupt und über die Teile, die Sie verdolmetscht, insbesondere sagen, ist alles wahr undrichtig und doch können wir nicht gegen den Strom schwimmen. Es gibt übrigens zwischen der wörtlichen und freien Uebersetzung ein Mittelweg, und der läßt sich besonders bei den poetischen Schriften der Bibel wohl schaffen und einschlagen, so daß der Geist der Schrift erhalten und festgehalten werden kann und soll. Uebrigens werdeich Ihre Psalmen K’ischon bath ajin in Acht nehmen und sie: