Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 90 Ich werde weiter arbeiten, und mit Gottes Hilfe werden auch Sie bald dasselbe tun. Nur meine Verwunderung über meines Herrn Kollegen Anspruch muß ich Ihnen zu erkennen geben. Ich habe dem Manne schon vor vielen Jahren gesagt, daß jene protektierte Verbindung als aufgelöst zu betrachten sei, da keiner der Herren auch nur Miene macht, an die Arbeit zu gehen, er aber unter, allen Beschäftigten — wie er selbst sagt — am beschäftigtesten sei — drei Superlative reichen auch nicht hin, um diesen Begriff auszudrücken. Damals trug ich ihm auff auch Ihnen und dem Dr. Z. dasselbe zu sagen. Ich glaube sogar,'daß ich selbst Ihnen .die Anzeige machte. Auch Dr. Fränkel erklärte ich es, ob es gleich gar keiner Erklärung bedurfte, indem wir uns ja zu nichts verpflichtet haben. Was ficht den Vielbeschäftigten, der zwei Aemter auf der Schulter trägt, von welchen — sagt der Patriarch — eins schon zum Erdrücken schwer ist, was ficht ihn nun dm, sich um unsre Arbeit zu kümmern? Das sind die sechstausend Mark, von denen er gehört hat. Geld ist dieses Mannes Seele und — Gott. Versprechen Sie ihm ein Drittel dieser quästionierten Summe und er überläßt Ihnen — Moses und die Propheten! — Mit den 6000 Mk. hat es folgende Bewandnis. Als im I. 1828 Herr S. Heine von einer Rheinreise zurückkam, besuchte ich ihn. Unter anderem erzählte er mir, er habe in Ff. am Main sämtliche Rothschilds gesprochen. Scherzend mehr als im Ernst sagte ich ihm: I ch möchte diese Herren mehr dort gesprochen haben. Warum? fragte er freundlich. ' Dann hätte ich sie gebeten, mir die Druckkosten zu einer neuen uns noch fehlenden Bibelübersetzung vorzuschiehen und aus dem gelösten Gelde würde ich nach und nach die Schuld abtragen. Wie hoch belaufen sich diese Kosten? fragte er. Auf 6000 Mk. entfiel mir, ohne weitern Kalkül zu machen. Die sollen Sie von mir erhalten, sagte der wirklich brave, seltne Reiche. Wenn Sie so weit sind, sagen Sie es mir, Sie lassen drucken, verkaufen und machen nach und nach die Summe ab. — Da die Arbeit mehrere Jahre erfordert und ich den Grundsatz habe — wie ich Ihnen auch schrieb — die Bibel auf einmal erscheinen zu lassen, so war weiter von dem versprochenem Gelde die Rede nicht, ob ich gleich überzeugt bin, der Mann hält Wort. — Aber wie der Hr. Dr. K. meint, daß 6000 Mk. zum Verteilen unter uns beide da wären und er doch auch so ein drittlichen davon gut gebrauchen könnte —, ist es nicht. O, über die Priester des Herrn, die beständig vor dem goldenen Kalbe knieend und betend darunter erliegen!!' Doch genug und mehr schon als genug difficile est satyram non scribere. Gott gebe nur, daß Sie recht bald tüchtig und eigenhändig arbeiten können, wir werden uns einigen und das Finanzielle am wenigsten sollte uns trennen. Und nun empfangen Sie noch meine herzlichsten Grüße und erweisen Sie mir die Liebe, mich rechi bald von Ihrem Befinden zu benachrichtigen. Es bittet Sie aufrichtig darum Ihr Salomon. 0