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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 89

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 89 (sequence 22)
Language
German
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89 X. Hamburg, 13. April 1834. Verehrter Freund! Ich will Ihnen heute wegen Ihres langen Schweigens weder Vorwürfe machen, noch von meiner heißen Sehnsucht nach Ihrer Antwort sprechen, denn ich schreibe Ihnen diese Zeilen nur in Auftrag meiner Behörde, der Direktion des Tempelvereins. Ich habe nämlich so oft und so lange gepredigt und geklagt, daß die Herren alle in Zedern und Marmorpalästen wohnen und die Lade Gottes mit zerlumpten Teppichen.sich begnügen muß, bis endlich eine Kommission gebildet wurde, die einen neuen Tempelbau in Erwägung und Ueberlegung ziehen solle. Ich glaube nicht, daß der Realisierung große Hindernisse im Wege stehen werden; denn der präsidierende Direktor H. Engel, der im vorigen Sommer die Synagoge zu Wien gesehen und in derselben sich erbaut hat, tragt mir vor einigen Tagen auf, ich möchte an Sie, verehrter Freund, schreiben und Sie um die Einsendung und gütige Besorgung des Risses Ihrer Synagoge inständigst bitten. Mit Vergnügen erledige ich mich dieses Auftrages und füge meine eigenen Bitten hinzu. Der Erwähnung bedarf es kaum, daß Sie alle mit der Ausführung dieses Auftrages' verbundenen Kosten uns zur Rechnung stellen. So weit habe ich Ihnen ex offizio geschrieben und nun aus innerem Herzenstriebe. Wie geht es Ihnen und den Ihrigen? Was machen Ihre Augen? Und der Augen Licht —, was macht die — Bibel? Sind die literarischen Erzeugnisse noch nicht erschienen, von denen Sie in Ihrem letzten Briese sprachen? Ich wollte Sie freilich nicht an Antwort mahnen, aber wovon das Herz gar zu voll ist, davon geht der Mund doch am Ende über. Machen Sie daher mir recht bald die Freude und beschenken mich mit einem lieben, großen Briefe, ich will ihn als die schönste Frühlingsgabe betrachten und Sie eine Zeitlang — wie lang weiß ich noch nicht — in Rübe lassen. Auch heute mag ich Sie nicht weiter stören. Gott erhalte Sie und lasse Ihnen alles, was er Ihrem Herzen zur Liebe und Pflege anvertraut hat. Der Frühling aber gebe Ihnen die lieblichsten Blumen und die süßesten Hoffnungen. Mit diesen Wünschen empftehlt sich Ihnen und den Ihrigen Ihr Salomon- XI. Mein inniggeehrter Freund! Leider, daß ich Ihnen nicht aus vollem Herzen für Ihr jüngstes Schreiben danken kann, waren Brief und Psalmen auch in Ihrem Gerste, so waren sie doch nicht mit Ihrer Hand geschrieben! Sehr, sehr tief schmerzt mich diese Nachricht und nur die Hoffnung, daß das Uebel bald gehoben sein wird, lindert meinen Schmerz. Ich verschwieg die Hiobspost selbst gegen die Meinigen und doch vorgestern erfuhr ich sie schon von andern, vermutlich wurde es hierher gemeldet. Da Ruhe und Erholung Ihnen jetzt heilsamer ist, als selbst alle biblische Literatur,, so werde.ich über diesen Gegenstand Zhnen nicht eher schreiben, als bis Sie es ausdrücklich wünschen. . v

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