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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 88

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 88 (sequence 21)
Language
German
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— 88 dem kostspieligen Unternehmen beizusteuem und dafür eine Anzahl Exemplare, für die Armen zu erhalten, die sie oder wir unter dieselben verteilen sollen; ob man — wie ich früher einmal erwähnte — zwei Auflagen, eine für den Norden und eine für den Westen, veranstalte, über diese Punkte, die des Nachdenkens allerdings verdienen, denn auch hier heißt es wohl nicht mit Unrecht: Im en Kemach en Thora werden Sie mir nächstens Ihre Meinung nicht entziehen und ich sehne mich und schmachte nach Ihrem Schreiben, wie der Geliebte nach der Braut! Ich hätte gern Ihr Urteil über unser Gesangbuch gehört und eS tut mir weh, daß Ihr Augenübel Sie bis jetzt davon abgehalten hat, diesem Buche eine größere Aufmerksamkeit zu widmen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß es bald wird geschehen können Ich glaubte Erfreulicheres über den Gottesdienst dort zu hören und ließ mir bei der Einführung des deutschen Gesanges gar keine Schwierigkeiten träumen. O, Gott, o Gott! wie muß doch jeder Fußbreit-Himmel mit Blut erkämpft werden! Unsre Miniatur-Gemeinde singt doch wenigstens mit, wenn sie auch — falsch singt. Doch Ihrem Mute und Feuereifer traue ich alles zu und so werden Sie den Flüssen Babels wohl recht bald die Zionsharfe entnehmen und an dem Donaustrom aufhängen, daß sie dem Herrn zu -Ehre ertöne. — Erfreulich waren mir die Nachrichten von den Fortschritten der jüd. Gemeinde in Pest. Ist der frühere Prediger (er schrieb mir vor mehreren Jahren) noch da? Wie beißt er? Nimmt dort die ganze Gemeinde an dem umgebildeten Kultus teil? Waren Hamburg, Beer, Landau u. a. immer noch nicht im Stande aus Prag den Schmutz zu fegen, oder haben diese Herren ihn vermehren helfen? Schrecklich! Wann erscheinen Ihre Predigten? Ich sehne mich mit Herz und -Geist nach denselben. Für den Absatz, den Sie den meinigen verschaffen wollen, lausend Dank. Die deutschen Juden sind sehr schwierig, Predigten zu kaufen und die Verleger kommen nicht gut weg dabei. Bücher kaufen -sie nicht, höchstens Rechenbücher, sagte^rnir einmal ein Buchhändler, der freilich zu den R’schoim gehörte. — Ihre Grüße an Dr. R. sind bestellt; was Sie in meinem Briefe ihm geschrieben, kopierte ich ihm. Hoffentlich schreiben wir Ihnen an einem Posttage. Für unser Sodom könnten wir Zehn Rießer gebrauchen. Mit den Nachrichten über die Ihrigen haben Sie mir und den Meinigen eine herzliche Freude bereitet. Sehen möchten wir Sie alle und sprechen. Ist Degen in Wien mit seiner Flugmaschine noch nicht fertig! Ich bestelle das erste Exemplar und fliege zu Ihnen. Die Meinigen alle erwiedern Ihre Grüße. Mein Moritz hatte nie zur Theologie Lust und Liebe. Für die Arzneikunde desto mehr. Und so möge Gott mit ihm sein. Und nun geliebter Freund! leben Sie froh und heiter und erfreuen Sie sobald als möglich mit Ihrer lieben innig von mir ersehnten Unterhaltung Ihren Solomon.

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