Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111110-3117662--5992-3117777- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
87 über Ihr Leben und Hoffen gegeben haben. Alle Ihre Freunde hoffen mit Ihnen, und der Herr wird dem des Lichtes schöne Güte nicht nehmen, dem, der es so vielen gibt und Tausende für das Licht empfänglich macht, indem er ihnen die Augen des Geistes öffnet . . . Nur schonen Sie sich um götteswillen und übertreten Sie keine ärztliche Vorschrift. Feiern Sie jetzt, um später desto rüstiger und länger arbeiten zu können. Das verdammte Schreiben! Ich hatte ebenfalls die stärksten Augen, aber sie sind auch um vieles schwächer geworden und tränen oft. „AI Schewer Bath. Ammi“. Wir sollten allesamt ex. tempore predigen und weniger aufschreiben. Stumm reden kann man sich nicht so leicht als blind sehen. Wir haben unsre Gemeinden verwöhnt. Der Schülerhafteste fordert in jeder Predigt ein Meisterstück. Da muß man freilich sitzen und schreiben, schreiben und verbessern und die Augen verlieren. Und wenn es noch frommte! Ja, mein geliebtester Freund! zuweilen ekelt einen die Geschichte sehr an und wenn man nicht etwas über und in sich fände, man könnte verzweifeln und in die Wüste flüchten. Doch genug der Jeremiaden! Zu unserem literarischen Gegenstände. Ich fürchte nicht, daß wir beide, um mich Ihres Ausdruckes zu bedienen, Kilajim sein werden, indem ich Ihre, in Ihren Briefen angedeuteten Grundsätze, als die meinigen anerkenne (und nur in den Tadel ganz einstimmen mag, der nach Ihrer Aeußerung fast alle bisherigen Uebersetzer trifft). In dieser Voraussetzung werde ich Ihnen sobald als möglich von meinen bisherigen Arbeiten größere Proben schicken und um Ihr Urteil bitten. Es ist schön und rührend, wie uneigennützig Sie bei dem ganzen Unternehmen zu Werke gehen wollen und mit welcher Freundlichkeit und Freundschaft Sie mir gestatten, von Ihren biblischen Schätzen beliebigen Gebrauch zu machen. Ich kann Ihnen hierauf nichts weiter erwiedern, als daß ich Ihren Aeußerungen das vollkommenste Vertrauen schenke und Ihnen nachzueifern die Kraft in mir fühle. Um mich kurz zu fassen, scheint mir folgendes am angemessensten: Ich suche so bald als tunlich den Pentateuch zu vollenden und zum Drucke fertig zu machen. — Sie gehen an die Übersetzung des Josua, ich an die der Richter; ich übernehme die 2 Bücher Samuelis, Sie die 2 Bücher der Könige. Der Jesaia ist fertig in meinem, Jeremia und Ezechiel (wenn auch noch nicht ganz) in Ihrem Pulte. Von den Hagiographen sind — Ihre Psalmenübersetzung fertig; Da Sie so con amore diesen so wichtigen Teil der Bibel bearbeitet haben, so ist es nicht mehr als billig, daß wir dem Volke Ihre Arbeit in die Hände geben. Dagegen liefere ich die Sprüche und den Hiob, die bis auf die Revision fertig find. Von den Hagiographen bleiben uns nur noch die Megilloth sowie Daniel, Esra, Neliemia, Dibre Hajämim übrig, über deren Verteilung Sie, lieber Freund, disponieren mögen. Wir senden uns unsere Arbeiten gegenseitig zur Durchsicht zu und sobald der Pentateuch und die ersten Propheten durch gesehen sind, lassen wir, meiner Meinung nach, den Druck beginnen. Ob Sie vielleicht schon darüber nachgedacht haben, wie das Werk am besten zu verlegen und abzusetzen sei, ob man eine Art Bibelgesellschaft bilde, oder ob man sich öffentlich oder privatim an vermögende Leute wendet und sie bewegt, zu