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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 83

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 83 (sequence 16)
Language
German
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83 Ihre Neujahrsgrüße und Wünsche erwiedere ich ebenso ireu und Warm. Möge es Ihnen neue Kraft und neue Wonne bringen. Einer meiner Lieblingswünsche wäre mir erfüllt, wenn ich Sie einmal in der Mitte der lieben Ihrigen sehen und begrüßen könnte. Vielleicht führt mich das Wort der Herrn früher oder später einmal zu Ihnen. Die Reisekosten wenigstens werden Moses und die Propheten doch einbringen! Ich hatte im vorigen Sommer übrigens oft Gelegenheit, Personen zu sprechen, die Sie gesehen und gehört haben." Ich lasse mir dann alles recht umständlich erzählen und meine Phantasie tut dann das ihrige, um mich in Ihren Kreis zu versetzen und mir von Ihrem Sein und Wirken die lieblichsten Bilder zu entwerfen und auszuschmücken. In einem Ihrer Briefe sprachen Sie von der Einführung deutscher Gebete. Hat sich dies verwirklicht? Was hat Ihnen denn der Rabbi zu Kopenhagen auf Ihre Vorschläge erwiedert? . Haben Sie von dem neuen Zion gelesen, das sich nun in Kopenhagen Maucra erhebt? Bald wird die Weihe der Gottesstadt vor sich gehen, bald „werden wir sehen, was seine Träume sein werden". Wir ordnen nunmehr die Manuskripte zu unserem neuen Gesangbuche. Ich wünsche, wir könnten unser Gebetbuch auch bald gegen ein anderes und wäre es gegen das alte vertauschen. Die Synagoge zu St. Lengsfeld im Weimarischen hat wohl zweckmäßige Umbildung erlitten und der dortige Rabbiner Dr. Heß ist ein wackerer Mann, der es mit der guten Sache aufrichtig meint. Auch in Stuttgart geht man ernstlich damit um, den Gottesdienst zu reformieren. Zurückgegangen sind wir gottlob nicht. Den Redakteur des „Juden" haben Sie gesprochen und gewiß lieb gewonnen. Es ist erfreulich, daß er unter unseren Leuten Anerkennung findet. / Dr. Zunz hat uns in diesem Sommer auch besucht, nachdem er sein dickleibiges (dickgeistig kann ich nicht sagen) Buch vorher geschickt. Das Buch ist sehr gelehrt und sein Verf. neigt sich stark jetzt zur' — Hyperorthodoxie; ich glaube, er steuert auf eine Rabbinerstelle los. Gott gebe günstigen Wind! — Meine Wenigkeit hatte im verflossenen Sommer viel zu tun. Dr. K. war einige Monat verreist und ich predigte für ihn. Dann kamen die Feste, eins ans andere gereiht, doch ging gottlob alles gut und die Arbeiten gefielen nicht nur der Gemeinde, sondern mir selbst. Einige Predigten mußte ich drucken lassen, gelegentlich schicke ich sie Ihnen. Daß ich drei Söhne und eine Tochter habe, wissen Sie wohl. Mein Moritz ist jetzt 17 Jahre alt, kommt Ostern nach Prima und will Mediziner werden. Er ist fleißig und gut. Meine Anna zählt beinahe 15 Jahre, ist ein großes, hübsches Mägdlein und sanft ünd fromm. Vor einem Jahr habe ich sie beide im Tempel konfirmiert. Von den noch übrigen Knäbchen läßt sich nichts weiter sagen, als daß sie, das eine 10,. das andere 8 Jahr alt, muntre Bürschchen sind und-in die Schule gehen. Gott lasse mir die Lieben, meine Freude und mein Reichtum! Alle die Meinen tragen mir Grüße auf für Sie und Ihre Lisette, der Sie mich freundlichst empfehlen wollen. Gott erhalte Sie, geehrter Freund! Schreiben Sie recht bald und recht ausführlich, je eher und je mehr desto lieber für Ihren Salomon. 6 *

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