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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 81

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 81 (sequence 14)
Language
German
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81 ob, wie oft in Jesaia Cyrus oder der künftige Messias; der „Knecht Gottes" Israel überhaupt oder den. Propheten bezeichnet, soll dem L ehrer, ja dem Leser überlassen bleiben. Daher bin ich denn zu glauben geneigt, daß es in der Tat besser — biblischer wäre — das Wort Gottes, als Volksbibel, ganz und gar ohne Anmerkungen erscheinen zu lassen und den Kommentar nicht bloß vom Texte getrennt, sondern ganz separat, als ein besonderes Werk, erscheinen zu lassen, als eine Rechtfertigung für den Gelehrten, warum man so und nicht anders übersetzt. Meinten Sie in Ihrem Briefe dasselbe? Es ist mir aus demselben nicht deutlich geworden. Neulich erst zog ich über diesen Gegenstand den Rabbiner zu Fürth zu Rate und erwarte seine Antwort. Störend war es auch für mich, als Johlson*) eine Bibelübersetzung ankündigte und mir persönlich sein Vorhaben mitteilte. Nachdem ich ihm in meiner Antwort als Kollegen scherzweise gratulierte, machte er mir das Anerbieten gemeinschaftlich mit mir das Werk zu unternehmen, und ich dankte ihm höflichst, ohne ihm die Gründe anzugeben, warum ich von seiner Güte keinen Gebrauch machen könnte. Ich hatte mehr als sieben Gründe, doch der eine ist schon genug und der lag in der Art und Weise seiner Arbeit; sie gefällt mir nicht. Darüber war ich bald beruhigt, daß mir der Mann nicht schaden würde, der hohe Preis des Pentateuchs ließ die ungefähre Berechnung zu, daß eine solche Bibelübersetzung wenigstens an 10—12 Rthler kosten würde, meiner Meinung nach aber der Ladenpreis nur ein Rthler sein darf. Auch hierin haben wir uns als schöne, aber gute Geister begegnet, daß auch ich alle Mitarbeiter abgewiesen habe. Büdinger in Cassel hat sich mir sogar erboten, um an der guten Sache teil zu habener wollte mir, natürlich honoris causa, das arbeiten, was ich ihm aufgebe, aber ich nahm auch dies nicht an. Wer kennt sich selbst genug! Am Ende hat die Eitelkeit an diesem Refüs doch einigen Anteil, ich wollte allein dieses Werk schaffen und ausführen. — Ihr Schreiben aber bat mich auf der Stelle umgestimmt. Nicht nur, daß ich Ihre mir angeführten Gründe von der Zersplitterung der materiellen Kräfte und der Besorglichkeit der „zwei Thorot" ehre, die allerdings entstehen würden, wenn zwei Übersetzungen zugleich erscheinen, zieht mich der persönliche Wert des geehrten Mitarbeiters zur Annahme der gemeinschaftlichen Arbeit an, eine Arbeit, von der es ihrer hohen Wichtigkeit halber, mit dem größten Rechte heißt: „Besser zwei als einer", damit wo der eine falle, oder fehle, der andere aufrichte den Verlassenen. Also, „das Geschäft" mit Ihnen gemeinschaftlich zu übernehmen, bin ich vollkommen bereit. Auch im Geiste werden wir hoffentlich eins sein, oder doch leicht eins werden. Und so erwarte ich denn eine Probe von Ihrer Arbeit, wogegen ich Ihnen eine der meinigen einsende, die Sie selbst näher bezeichnen mögen; gut dürste es ja Wohlsein, wenn sie sowohl prosaische als poetische Stücke enthielte. Wie gesagt, wir werden uns ohne Zweifel auch geistig amalgamieren und nicht als LllaHün erscheinen; wo es aber wider Erwarten der Fall wäre, so wird wohl die Ausgleichung leicht *) Vgl. PH. Philippson, H. Salomon S. 126. 6

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