Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 13)
- Language
- German
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V. Hamburg, am 10. November 1832. Geehrtester Freund! Alles, waS nicht wesentlich zur Bibelübersetzung gehört, nachheralso , sofort in medias resl Der GKante, dem Volke und der Jugend die Bibel zu verdolmetschen und dem ersten wie dem letzten dieselbewohlfeil und-auf einmal und in einem Bande zu geben, beschäftigt mich>- so lange der Angelegenheit Israels Meine Zeit und meine. Kraft — mein Beruf gehört. Mehr als bloßer. Gedanke wurde es, als ich vor 6 Jahren die hier von mir errichtete Schulanstalt, meinen damaligen Mitarbeiten und Freunde Maimon Frankel allein überließ um Men.te serena — «n die Arbeit zu gehen. Auf die Vorarbeit^laußen Sie mir. Ihnen alles zu erzählen — verwendete ich indessen vielleicht mehr Zeit, als billig war. Ich studierte etwas arabisch, um die Verdolmetschung des Saadia besser zu verstehen, las alte und neue Bibelwerke, machte Excerpte-. allein viel Ausbeute gab dies alles nicht, wirklich schwierige Stellen blieben schwierig und für die viele auf die Lektüre fremder Arbeiten verwendete Zeit hatte ich nur die eine, vielleicht an Eitelkeit grenzende Entschädigung: „Was du nicht weißt, wissen jene auch nicht". Also benütze die eigene Kraft, fuhr ich mir zu sagen fort, und dann ist es gut Jetzt ging ich - an die Arbeit und wo die Bahn uneben war, zog ich -unsere alten und neuen Erklärer zu Rate und zum Ueberfluh fragte ich «och bei Rosenmüller, Michaelis, Eichhorn, Diesen, Knapp und noch etwa bei einem halb Dutzend Gojim an und arbeitete seit vier Jahren frisch darauf los, freilich mit großen Unterbrechungen und kann nun als beendet, wenn auch nicht als — vollendet folgende Bücher angeben: Die zwei ersten Bücher des Pentateuchs; das Buch Hiob; die Psalmen; die Sprüche Salomonis; die zwölf kleinen Propheten; und die 45 ersten Kapitel des .Jesaia. . Die Grundsätze, nach welchen ich bei der Arbeit verfuhr, sind fast dieselben, die Sie mir in Ihrem lieben Schreiben angeben: Treu dem massoetischen Texte, selbst wo seine Treue sehr zu bezweifeln ist; einfach und verständlich mit Verwendung der modernen und eleganten Ausdrücke und — Konstruktionen, ohne aber auch hierin, wie es die christlichen, Uebersetzer machen, zu übertreiben und oft kindisch zu werden. Bei-, einem großen Teil der Übersetzung machte ich es mir zur Aufgabe, Stellen,, die nicht ganz verstanden werden können, weil tzem Leser irgendeine Vorkenntnis fehlt, mit zwar lakonischen, aber doch erläuternden Anmerkungen,, und zwar unter dem deutschen Texte, zu versehen; aber unter der Arbeit selbst wurden mir zwei Dinge nur zu klar: erstens, daß selbst bei dergrößten Kürze die Anmerkungen einen bedeutenden Teil des Raumes verschlingen und notwendig den Preis um das Doppelte erhöhen würden^ zweitens aber, was einer noch ernstlichen Erwägung verdient— würde die Bibel an vielen Stellen eine besondere Farbe, wenn ich sagen, darf — erhalten und mehr individuell als universell werden. Das Wort^ Gotes aber soll frei bleiben. Ob diese, oder jene Stelle, um doch ein Beispiel anzuführen, den EhiSkijahu oder den einstigen Messias betrifft,.