Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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betreffend, Aufschluß geben. Daß ich bloß auf meine Predigerstelle reduziert bin, indem ich die von mir etablierte Schule dem Dr. Frankel überlassen habe, wissen Sie wohl. Die Direktion des neuen Tempelvereins fand es daher sehr billig, zudem, da ich gute Stellen auswärts uesüstert habe, mir auf meine Vorstellung, daß ick als Familienvater mit jedem Jahre mehr zurückkomme, «Mw Gratifikat on von 1000 Mk. vom I. 1829 an zuzusichern, nicht al^Gehalt-Zulage, sondern als einstweiliges Sulagement bis sich meine Finanzen auf eine andere Weise verbessert haben werden. Hierin sah Herr Dr. K. mich ihm vorgezogen, sich zurückgesetzt und^Eh.r-, und Geldgeiz (eine dieser Leidenschaften allein kann schon den moralischen Gehalt verzehren) teilten sich in seiner Seele. — Daß wir mit der Ausarbeitung eines neuen Gesangbuches beschäftigt sind wissen Sie. -Hero^Dr. Fränkcl, Wohlwill, Robinow und ich bildeten die Kommission und Redaktion. Nachdem wir den Grundsatz aufgeuellt und protokolliert hatten, daß wir den gedruckten Vorrat von Gesängen in den jüdischen Gesangbüchern als unser Eigentum betrachten und folglich damit nach Belieben schalten und walten könnm, einen Grundsatz, den Herr Dr. K. gebilligt und .unterschrieben hat, wendet er sich hinter dem Rücken der Kommission und Redaktion an die Direktion des Tempelvereins und erschlich sich das Versprechen, falls das neu einzuführende Gesangbuch 40 von den in seinem Liederbuche sich befindlichen Gesängen aufnähme, das neue Gesangbuch nicht als ein neues, sondern als eine Fortsetzung des seinigen betrachtet werden soll. Da das Geheimnis den Mitgliedern der Redaktion verraten würde, hüteten wir uns wohl, die erwähnte Anzahl aufzunehmen, und als er um die Ursache fragte, die übrigen in der Sitzung schwiegen, entdeckte ich ihm den Grund, mit der Bemerkung, es wäre . doch gar nicht kollegialisch, die Kollegen so viele Jahre an einem gewiß 400 Lieder starken Gesangbuche arbeiten zu lassen, und dann dem Kindlein seinen Namen zu geben. Wie gesagt, Ehr- und Geldgeiz sind im Gemüte herrschend; Egoismus gesellt sich dazu, wahrlich eine Dreieinigkeit, die alle Einigkeit und das ganze Judentum zerstören kann. Zudem läßt sich der Herr von seinem Weibe beherrschen und . . . . doch nun genug. Cs tut mir weh genug, Ihnen so viel gesagt zu haben. So stehe ich denn ganz allein und vergebens sehnt sich das Herz nach Liebe und nach Mitteilung und Austausch der Ideen des Geistes. Es ist arg, den Aussprnch des biblischen Dulders in dem eigenen Leben verwirklicht zu sehen. — . Ueber literarische Unternehmungen, über Religionsbücher und Bibelübersetzung hätte ich Jßüen noch viel zu sagen, doch fürchte ich, daß ich Sie schon zu lange inkommodiert habe. Beruhigen Sie wich und geben Sie mir den Beweis, daß Sie die Korrespondenz fortgesetzt wünschen, so wird es ein erfreulicher Beitrag zu meinem Lebensglücke werden, über alles, was den Menschen interessiert, mit dem 'fernen Freunde sprechen zu können. Und so leben Sie denn recht wohl und vergnügt und beglücken Sie baldmöglichst mit Ihrer Zuschrift Ihren Sie mit Herz und Seele liebenden Freund Dr. Salomon.