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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 78

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 78 (sequence 11)
Language
German
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Mnz unerhört! voesva Kopenhagen, wissen Sie denn, daß wenig Haran gefehlt hat und ich wäre Priester, Rabbiner, Prediger in Ihrer Vaterstadt geworden? Nach den Briefen,, die ich über diesen Gegenstand ün Händen habe, darf ich es ohne Anmaßung sagen, daß es nur von - mir ubgehangen und ich die Itzit-rhandlungen auf das Bestimmteste aufgegeben habe. In finanzieller Hinsicht wäre meine Stelle sehr gut gewesen, aber da ich kein geborener und kein erzogener Rabbiner bin und andere Wege gegangen wäre als diese Herren; so würde ich einen größeren -Kampf, als der Herr Dr, W. zu kämpfen gehabt haben. Was glauben Sie davon? Hätten Sie mich nicht brieflich völlig ignoriert, so würde ich mich damals an Sie gewendet und mir Ihren Rat erbeten haben. Ich leugne es-nicht, daß ich mir den Wirknngskreis sehr oft groß und schön geträumt' und im Geiste segensreiche Umwandlungen vw genommen Habe. Ein bedeutender Fortschritt wäre es allerdings gewesen, einen Tempel-Prediger als Ober- und Landrabbiner reden und wirken zu sehen. Das Beispiel würde nicht ohne Nachahmung geblieben sein . . . doch der Wille des Herrn hat anders entschieden; der Vorstellung der Direktion nachgebend, daß meine Entfernung dem Tempel sehr schaden —'wie sich der Deputierte der Direktion nusdrückte die Existenz des Tempels -gefährden könnte, und daß ich, gerade bei meinem warmen Blute Und 'dem Eifer für das Bessere, gar nicht absehen könnte, welche das Leben ungr -ifende Verdrießlichkeiten das dortige Am k’sclie oref mir bereiten Werden, hob ich alle Verbindungen mit den Repräsentanten plötzlich auf und blieb, wo man mich ' gern hat. Da haben Sie die kurzgefaßte 'Geschichte meines Rabbinats. — Mit den eigentlichen rabbinischen Funktionen haben Sie doch nichts zu schaffen? Nicht wahr? Sie haben -sich weder um die Magen noch um die Kühe und Ochsen, Wild und Geflügel, noch um die — Frauen und ihre Bäder zu kümmern? Man sollte es öffentlich aussprechen, daß man diese Geschäfte von dem Lehründ Predigeramte gänzlich separiere und dafür wie bei dem Sündenbock 'einen besonderen Mann anstelle. Solange dies nicht geschieht, sind auch den bessern und aufgeklärten Rabbinern Hände und Füße gebunden. Subordieniert müssen jene Magen- und Schlachtkünstler dem Rabbiner bleiben (das hatte ich auch den Kopenhagener Repräsentanten vorgeschlagen und sie willigten ein); aber der Ravbiner selbst müsse sich mit diesen - Dingen nicht abgeben. — Doch lassen Sie mich mein eigenes Geschwätz unter brechen und meinem Herzen genüge leisten, indem ich Ihnen im 'Geiste' die Hand reiche und drücke ui d Ihnen sage, daß ich herzinnigen Anteil ^an Ihrem Schicksal und Ihrer gottlob glücklichen Lage nehme. Werden dSie Ihre Badereise wiederholen? Möchten Ihnen die Aerzie doch ein Seebad verordnen und Sie nötigen in unsre Gegend zu kommen? Unfern Hamburg und die Umgegend hat ^sich sehr verichönert und wird für Heimische und Fremde immer anziehender. Die Gesellschaften der Naturforscher, wissen Sie, werden sich in unfern Mauern diesmal sammeln. Da wird es ja auch wohl an Wiener Gekehrten nicht fehlen. Schließen Sie sich an und wagen die Wallfahrt. Ihre Frau, glaube ich, begleitet Sie gern, oder ist Sie nicht mehr an Hamburg attachiert? Bevor ich meinen Brief beendige, will ich Ihnen noch über einen Punkt, den Sie in Ihrem Schreiben zart berühren, amtliche Differenzen

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