Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 10)
- Language
- German
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77 — Gott! Bon einem Rabbi, mit oder ohne Bart, mit oder ohne Titels ■_ der unter der Ch.nppa das Glas noch zerbrechen läßt und nicht wagt^ diesem Unsinn zu wehren, verspreche ich mir keine zweckmäßige Umbildungen. Bis jetzt' en Kocho ela b’peh, d. h. er predigt, er rührtg Lo8od. kasekana uuä Kippur blieb detzTempel verschlossen, da ließ er dieMinjanim ihr Wesen treiben, predigte weder am Neujahrstag nocham Versöhnungsfeste, wo er doch gleich der Posaune die Stimme hätte erheben und dem hartnäckigen Volke seine Mißtaten sagen müssen.»., Sagen- Sie, um Gottes willen, ist das der rechte Weg, der rechte Geist? DaA sind immer noch die rechten Hirten nicht! Der Rabbiner zu Oldenburg, der Adler unter den Vögeln, die in Würzburg mit Mystizismus sich, füttern ließen und zudem jüdischenden christlichen „Schluss“ gesellten, ließ sich zum verwichencn Peslacdfeste Mazza schmura kommen! O Zeiten, o Sitten! (dieser soll sich indessen doch des jüdischen Schulwesens eifrigst annehmen.) Den Rabbiner zu Lengsfeld aber (im Weimarischen) einen Dr. Heß. (ein Bruder des Dr. Heß zu Frankfurt) scheint ein besserer Geist zu beseelen, sowie den an Wolffs Stelle gekommenen Dr. B. Levi aus Mainz, der schon während der kurzen Zeit seiner Amtsführung viel Gutes' gewirkt hat. Beide meinen es ernst mit der Veredlung des Volkes, habew Mut und scheuen den Kampf nicht, der erstere hat sich des Beistandes und der Freundschaft der dortigen Superintendanten, Schul- und Kirchenrats^ auch als Dichter bekannten. Ehr. Schreibers zu erfreuen. Sie arbeiten vereinigt an der Verbesserung und Erleuchtung der dortigen zahlreichen Gemeinde, die noch auf einer sehr niedrigen Stufe steht — Als Herr Dr. Levi bei seiner Prüfung in Gießen unter anderm auch gefragt wurde r ob es erlaubt sei, deutsch zu beten, sagte er zu Ende, nachdem er den Gegenstand wissenschaftlich behandelt hatte: Jeder Versuch der alten Rabbiner die ewige Wahrheit: daß es gleichviel sei, in welcher Sprache sich das Gemüt zu Gott erhebt, zu bestreiten, gleichsam als verstünde der, welcher die kkinste Regung des menschlichen Herzens kennt, nur diese einzige Sprache oder wolle nur diese einzige verstehen, jeder solche Versuch ist sündhaft, gotteslästerlich, Kampf der Finsternis gegen die Sonne, Verrat' am Judentum, Verrat an der Menschheit und kann nur im Fanatismus oder in der Unwissenheit seinen Grund, oder besser seinen Ungrund haben. Gefällt Ihnen der Mann? Er hat bei der Regierung einegründliche Schrift über die Verbesserung des Kultus und Schulwesens der Juden eingereicht und es ist an gutem Erfolg nicht zu zweifeln. Ich denke, daß wir gut tun, uns mit diesen Männern in Verbindung znW setzen. Von Ihrer Vaterstadt erwarte ich aber nichts. Haben Sie denn an den Dr. W. nicht noch einmal geschrieben und sich den Inhalt des verlorenen Briefes nochmals ausgeberen? Ich möchte gar ju gern seine Antwort kennen. Mir sagte er in seinem Schreiben,. als Antwort über die ihm zu gesandten Festpredigten viel Schönes; aber mit der in diesem Bande sich befindlichen Predigt für den 9 Ab ist er sehr unzufrieden und"" die in der Pessach-Predigt ausgesprochene Behauptung, daß eiss Rabbis der unserem Vorwärtsstreben mit seiner Rede von Chukkat ha-G-ojinx in den Weg trittein Narr oder ein-Heuch ler sei, findet er sehr hart^