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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 74

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
Date
1919-01-01
Page
Seite 74 (sequence 7)
Language
German
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74 nicht erhalten, weil sie als unbeendigt in meinem Pulte blieb) ist nun, seitdem mir durch unfern vr. Kley die Nachricht geworden,- daß Sie die von Bellin aus an Sie ergangene Aufforderung an-' genommen, überflüssig und sonder Anwendung, da, das Meiste, was ich Ihnen in meiner Antwort zu sagen fand, sich auf jene Angelegenheit bezog. Desto besser! gern schreibe ich Ihnen einen andern Brief, der Ihnen gleich beim Beginne die herzlichsten Glückwünsche bringen kann, Ihnen und dem dortigen Tempel. Was mit meine dortigen Freunde über denselben geschrieben, machte mich auf den Einsturz desselben gefaßt und Z. erneuerte Annahme der Predigerstelle hätte dem''Nebel mit Nichten abgeholfen. Ihnen, Teuerster, und nur Ihnen war es beschieden, das Jnstitut vor dem Untergänge zu bewahren und demselben zu dem gebührenden Glanze zu verhelfen. Das mutz Ihnen das eigene Innere sagen, der schönste Engel, der Ihnen wie Gideon zurufetr Lech B’chochacho seh w’hoschato es Jisroel. Wie wird es aber nun mit der armen Gemeinde zu Kopenhagen werden? Viel Gutes stand freilich von der Art und Weise, wie sich die Meisten bei der - Sammlung benommen, nicht zu erwarten, doch etwas Gutes wäre dennoch entstanden, itzt aber, befürchte ich, stirbt das Bessere schon in der Geburt und im buchstäblichen Sinne irren die Armen umher: Schafe ohne Hirten, und beim besten Willen ist es ihnen" nicht möglich, ' einen andern Mann über die Gemeinde zu setzen, „einen Mann von Geiste, der den Faden fortspinnen und das Begonnene vollenden könnte. Haben Sie hierüber nichts ausgedacht und beschlossen, geliebter Freund? Auch einzelne Bausteine dürfen wir in unserem ärmlichen Zustande nicht verschmähen, sie müssen und können alle bei der aufzuführenden Gottesstadt gebraucht werden. Unsre Tempel werden in der. ersten Zeit und wer weiß, wie weit sich dieselbe ausdehnt, immer-noch dergestalt eingerichtet bleiben, daß eine die andere zu halten haben wird und je mehr desto fester. Sie haben ja wohl noch einen Katecheten im Lande. Kann der nicht dorthin gesetzt weiden? bis sich ein tüchtigeres Subjekt vorfindet?' Wann werden Sie nun nach Berlin.gehen? Was sagt der gute^ Nathanion dazu? Wie ich ihn kenne, dürfte dies Ereignis seinen Eifer sehr erkalten. O, Sie sagen mir recht bald etwas Näheres über Angelegenheiten, die mich so sehr interessieren. In unsrer Anstalt ist alles noch beim Alten, und das ist wahrlich das kleinste Kompliment, das ich ihr machen kann. Man schreitet nicht fort und glaubt, weil Berlins Tempel noch erbärmlicher * ist, auf den erworbenen Lorbeeren ausruhen zu dürfen. Ich verstehe unter dem Pronomen imp. die — Direktion. Kley und ich huldigen diesem Schnecken-System keineswegs und möchten wenigstens die vielen Widersprüche aus den Gebeten fortschaffen, so wie die Inkonsequenzen in dem Prinzipe selbst. Wir sind ja wahrlich in unfern Gebeten und kirchlichen Gebräuchen zum Teil Mosaiken, zum Teil Rabbiniten und zum Teil Kabbalisten und größtenteils von allem — nichts. Indessen, es wird wohl Kampf und Streit, aber 4

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