Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Briefe Gotthold Salomons an Isak Noa Mannheimer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 2)
- Language
- German
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wvlN — 69 — ‘ hasten, herablassenden Ton an. Allein schön im Jahre 1830 scheint sichdas Verhältnis nach und nach ändern Zu wollen. Der Stern Mannheimers begann in Wien zu leuchten, und obschon Salomon ihm nicht an Glanz nachstand, empfand er dennoch die höhere Wertung seines wohl bescheidenen, aber eine gewisse Distanz ihm gegenüber wahrenden jüngeren Kollegen. („Daß es mir nicht gelang, Ihre Freundschaft zu gewinnen, so grämte ich mich schier ob der wenigen Sympathien, die zwischen unseren Naturen stattfinden." Brief IV.) Einen nicht geringen Schatten auf das Verhältnis der beiden Männer scheint das innere Zerwürfnis zwischen Len beiden Predigern Kley und Salomon geworfen zu haben, woran Mannheimer letzteren nicht schuldlos hielt. Salomon ließ aber nicht locker und wollte sich nicht die Beziehungen zu dem einflußreichen und dienstbereiten Manne entgleiten lassen. („Da ich nicht so glücklich bin, zu Ihren intimen und intimsten Freunden gezählt zu werden, wenn Ihnen gleich mein Herz laut und warm entgegenschlägt und an Wärme und Lauterkeit keinem Ihrer Freunde etwas nachgibt". — „Ich darf Ihnen nur soviel sagen, daß ich Ihre Güte zu schätzen und mich derselben würdig zu machen bemüht sein werde". BriefXII). Mannheimer taute aber bald , aus, als beide sich verbanden; um eine deutsche Bibelübersetzung zustande zu bringen. Hiebei kam der Unterschied in der persönlichen Auffassung der beiden Naturen bezüglich der bevorstehenden Aufgabe klar zum Ausdruck: Salomon, subjektiv, auspreisend; Mannheimer, objektiv, abwartend und vor allem selbstlos. Diese Selbstlosigkeit war es auch, die den älteren Salomon unbewußt in den Bann des Seelenadels Mannheimers zwang und ihm Worte der Anerkennung entrang, die aus solche kritisch veranlagtem Munde von unzweifelhaft historischem Werte für die Beurteilung der ethischen Größe Mannheimers sind. Ueber der Sorge um die Abfassung und den Absatz der Bibel laßt Salomon manchmal seinem Unmute allzufrei die Zügel schießen, nach dem Satze Ciceros: Lxistolauvu «rubescit (Brief XVII), wogegen Mannheimer in seiner